Hallo, Zeit für ein Update.

Wo fang ich an... ist ja ein dreiviertel Jahr vergangen seitdem. Es wird viel...
Kind wird demnächst 8, ist jetzt 2. Klasse (die Schule fällt ihr sehr leicht und erfordert keinerlei Extraaufwand) und hat nun insgesamt ein Schuljahr und 2 Monate Unterricht am Instrument hinter sich.
1)
Wir hatten - nach euren hilfreichen Hinweise hier - das Üben zur CD letztes Schuljahr dann komplett ad acta gelegt und nur noch die Stücke "pur" geübt. Der Lehrer hatte dazu nichts weiter zu sagen. Der Unterricht hat sich im Laufe der Zeit nicht verbessert und es fiel mir zunehmend schwer, da noch zuzuschauen.
Das "Lehrkonzept"(???) sah so aus, dass der Lehrer jede Woche 1-2 Stücke aus dem Lehrwerk aufgab, so wie sie darin halt vorgesehen waren, diese dann im Unterricht abfragte, meine Tochter dann am Klavier begleitete und die Stücke dann abhakte mit "reicht mir" und das nächste Stück aufgab.
Es gab genau nichts neben oder außer dem, was im Buch stand. Er spielte ihr noch nichtmal auf dem eigenen Instrument was vor.
Das Niveau des Buches wurde immer heftiger (schwierige Rhythmusübungen, die sogar ich mit eigener musikalischer Ausbildung schwer fand) und wie gesagt war es ja noch nichtmal ein kindgemäßes Lehrwerk, sondern "Für Jugendliche und Erwachsene".
Tochter hat sich mit meiner Hilfe und viel Frust da aber durchgekämpft und hat viel erreicht im ersten Jahr.
Allerdings halte ich das mir und ihr und nicht dem Lehrer zugute.
Beim Schuljahresendvorspiel dann stach sie unter den 5 insgesamt spielenden Kindern (alle wesentlich älter, 2 davon hatten aber auch erst ein Jahr Unterricht an dem Instrument) regelrecht heraus durch klaren Klang, sie hat sich nicht verspielt, es klang nichts schief und sie wirkte sehr souverän. (Sie spielte 2 Stücke begleitet vom Klavier)
Dabei war das ihr erster Soloauftritt ihrs Lebens überhaupt! (Also nicht nur Instrument betreffend - sie hat sich bei allen möglichen Aufführungen in Kiga und Schule IMMER deutlich und bewusst im Hintergrund gehalten)
Aber zurück zum Lehrer: Auf Hinweise meinerseits wurde nicht reagiert, er hat einfach sein Ding durchgezogen und da Tochter sich ja immer irgendwie durchgebissen hat, sah er wohl auch nicht die Notwendigkeit, was zu ändern. Meiner Meinung nach war er auch zu faul, sein "Standardkonzept" auf ein junges Kind zuzuschneiden.
2x mal kam es auch vor, dass er sie völlig überforderte und etwas von ihr abfragte, was sie ohne zusätzliche Erläuterung (die er ja selbst nie gab!) schlicht nicht können konnte.
Er erwartete offensichtlich, dass sie - Erstklässlerin, noch mitten im ersten Halbjahr - sämtliche Abschnitte an Theorie im Buch LAS!) Es kam dann sogar zu Tränen und seinerseits keinerlei regulierendem "Eingriff". (Es sollten z.B. fehlende Achtel-Noten in einem unvollständigen Takt ergänzt werden. Sie wusste zu dem Zeitpunkt noch nichtmal so richtig, was nur 2/4, 3/4 oder 4/4 Takt bedeutet und bissle Mathematikkenntnisse waren ja für diese Aufgabe auch noch erforderlich... Mit ein paar zusätzlichen Erläuterungen hätte sie das aber ganz sicher schnell kapiert! Die gab er aber nicht und Tochter saß dann dort vor der Aufgabe und war völlig ratlos, was sie nun tun müsste und riet dann, als der Lehrer weiter "erwartungsvoll schwieg", irgendwann wild herum. Sie muss sich sehr dumm vorgekommen sein... ICH habe dann abgebrochen, als ich sah, dass sie gleich zu weinen anfangen würde und gesagt, ich erkläre ihr das zu Hause noch mal in Ruhe und wir lösen die Aufgabe bis zur nächsten Woche.)
Als ich dann schließlich von anderer Seite auch noch erfuhr, dass es sehr wohl ein Lehrwerk für Saxophon für Kinder gibt, wars dann aus für mich. Er hatte sich offensichtlich nicht die Bohne bemüht und nichtmal recherchiert, ob es für jüngere Kinder irgendetwas geeignetes gibt.
Als ich ihm dann davon erzählte, zeigte er auch keinerlei Interesse dran.
Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass er wohl zu den Musikern gehört, die nur unterrichten, um über die Runden zu kommen. (Er war auch noch recht jung - Ende 20 würde ich sagen.)
Also habe ich dann gegen Schuljahresende noch alle Hebel in Bewegung gesetzt, dass das Kind wechseln kann. Obwohl sie selbst das gar nicht mal unbedingt wollte. (Er reagierte übrigens verschnupft.)
Am Jahresende kam dann aber raus, dass er sowieso in unserer Stadt (eine Außenstelle) nicht mehr unterrichten wird.
Die ganzen Sommerferien über war dann unklar, ob meine Tochter zu dem anderen Wunschlehrer, den sie von der Schnupperstunde im Rahmen des Instrumentenkarussells schon kannte, wechseln kann oder ein neu eingestellter der neue wird.
(Wieder so ein jungscher - ob der es wirklich besser macht? Der Wunschlehrer dagegen hat sogar in Musikpädagogik promoviert, wie ich im Internet herausfand. Und einen sehr guten Ruf.)
2)
Große Erleichterung meinerseits: Letzte Ferienwoche endlich der Bescheid - der Neue ist der gewünschte Lehrer! Uff. Mir fielen 1000 Steine vom Herzen.
Nun hat sie also seit Ende August bei ihm und ich bin derzeit noch mit im Unterricht. Und was soll ich sagen - es ein komplett anderes Konzept und genau das, was ich mir so vorgestellt habe.
Das Ganze sieht jetzt so aus:
die Hälfte der Stunde sind gemeinsame (!) Einspielübungen, abwechselnd sie und er am Instrument. Sie darf Töne und Rhythmen vorgeben, die er nachspielen muss und umgekehrt. Sie machen lustige Übungen, Luft anhalten, Ton so lange wie möglich halten (mit Stoppuhr), dem Instrument verrückte Sounds entlocken, Töne erraten u.ä. (bei letzterem stehen sie z.B. Rücken an Rücken, der Lehrer spielt einen Ton vor, sie muss ihn an ihrem Instrument finden. Schult das Gehör und trainiert die Orientierung am Instrument. Anfangs hat sie da noch ziemlich herumgesucht, inzwischen findet sie so manchen Ton schon sofort beim ersten Versuch wieder!)
Die Einspielübungen soll sie auch daheim machen, da machts allerdings nicht ganz so viel Spaß.
Dann wurden alle Lehrwerke und Noten verbannt und sie durfte sich selbst ein Stück raussuchen und sollte das versuchen, sich rein nach Gehör zu erarbeiten.
(Da war dann ganz schön schwierig und wieder mit heftigen Ausbrüchen verbunden...)
Sie hat sich für die Musik aus dem wunderbaren Film "Melodie des Meeres" entschieden.
Aktuell nun bekommt sie Stücke von einer Lehr-CD auf. Aber auch hier: keine Noten! Die lenken nur ab, sagt der Lehrer. Und man würde sich auf die Noten konzentrieren und nicht aufs Musik machen.
Das leuchtet mir total ein und grad bei Saxophon scheint mir das auch zielführend, da da ja am Ende viel improvisiert werden muss. (Ich spiele selbst aktuell in einer kleinen Blue Grass Band Fiddle, wo das an sich auch gefragt wäre und verzweifele daran, dass ich genau das nie gelernt habe. Ich spiele aktuell da nur die Noten ab, aber so richtig "ab" gehts damit (noch) nicht... ich versuche mich also nun für die Stücke meinerseits auch ein wenig an dieser Methode. Ganz und gar neu für mich!)
Man muss sich das Stück also jeweils erstmal erhören und nachspielen und auswendig lernen.
Wenn Tochter das dann kann, wirds zum Playback gespielt und - Trommelwirbel - in der Stunde sogar AUFGENOMMEN.
Die Stücke sind sehr kurz und leicht aktuell. Nicht direkt nachspielbar für sie, aber in Sequenzen zerlegt (jeden Tag lernt sie eine, es ergeben sich dann meist 3-4 Teile) innerhalb einer Woche gut zu schaffen.
Im Dezember - passend zu Weihnachten - wird aus den Aufnahmen sogar eine kleine CD!
Also ich bin total begeistert von der neuen Art des Unterrichts und so so froh, dass der Wechsel geklappt hat.
3)
Am Übungsverhalten hat sich nicht allzuviel geändert.
Die Ausbrüche sind heftig, es gibt viel Frust. Das Instrument wird regelmäßig verflucht. Aber aufhören mag sie auch nicht.
Neulich - bei so einer Aufnahme (ich bin auf Wunsch des Kindes und mit dem Segen des Lehrers, der sich da am Kind orientiert, noch beim Unterricht mit im Raum) - also bei so einer Aufnahme, die auf Anhieb geklappt hat und beim Anhören dann wirklich fast so klar und schön wie die Vorgabe des Lehrwerkes klang - hat sie, zwar nach außen nahezu nicht erkennbar, aber für mich als Mutter gut ersichtlich, ganz tief in sich reingestrahlt.
Zugeben, dass sie stolz auf sich ist und zufrieden mit der Aufnahme, wollte sie aber nicht. ("Najaaa, also es war dasunddasunddas nicht so richtig gut...")
Beim Üben daheim kriegt sie übrigens auch immernoch Stress, wenn sie das Stück dann mal zum Playback spielen soll.
Da gibts regelmäßig Ausflipper. Ich zögere das darum immer ganz lang raus... rege aber immer an, dass sie es vor der Stunde wenigstens schonmal gemacht hat, dass der erste Versuch nicht in der Stunde stattfindet. (weil ich weiß, wie sehr sie dann ein Misserfolg aus dem Tritt bringen würde... dann lieber daheim...).
Sie verflucht mich dafür...
Im Unterricht dann und bei der Aufnahme hat sie es dann jetzt aber immer total souverän hinbekommen. (Gleich beim ersten Versuch jeweil fehlerfrei zum Playback gespielt!)
Da staune ich, dass sie bei all dem Druck, den sie sich ja offensichtlich selbst macht, wenns drauf ankommt dann so "stabil" ist. Das war ja auch schon bei erwähntem Vorspiel am Schuljahresende so. (Damals hatte ich sogar erwartet, dass sie sich weigert, überhaupt vorzuspielen. Stattdessen wollte sie spontan sogar mehr als die geforderten 2 Stücke spielen...

)
Das werte ich jetzt mal als gutes Zeichen - bedeutet es doch an sich eine gute Stressresistenz und dazu gehört dann doch wohl auch ein gewisses Selbstbewusstsein... sonst müsset die eigene Angst zu versagen sie ja eher verunsichern, oder?
4)
Trotzdem das Üben wie gesagt ganz offensichtlich kein Vergnügen ist (nicht für sie und nicht für mich) und ich in keiner Weise ersehen kann, dass sie so richtig Spaß am Spielen hat - außer der kurze Moment beim Anhören der erwähnten tollen Aufnahme neulich; aber z.B. Stücke, die sie einmal kann, werden abgehakt und nicht noch mal wieder gespielt...?! jemanden vorspielen - Freunde, Familie - mag sie auch nicht, nichtmal die wunderschöne, selbst gewählte Anfang des Schuljahres erarbeitete "Melodie des Meeres" mag sie noch mal wieder spielen, mit jemanden in der Familie gemeinsam was spielen will sie ebenfalls nicht - hat sie im Sommer über mehrere Wochen lang immer weder geäußet, dass sie nun auch noch Klavier und Gitarre lernen möchte.
Ich war nicht dafür, schon jetzt finde ich das Üben so ermüdend, finde den Zeitaufwand zu hoch für sie (sie geht auch noch 2x die Woche zum Turnen), ich wäre eher für ein Instrument intensiv als zwei womöglich nur so halb (oder gar drei - da bin ich zum jetzigen Zeitpunkt komplett dagegen) und habe als Alleinverdiener außerdem auch Probleme, die Kosten zu tragen.
Aber sie hat immer wieder gedrängelt und sich durchgesetzt.
Nun lernt sie also seit Ende August sogar ein weiteres Instrument - Klavier.
Die Kosten zahlt die Oma und diese begleitet sie auch zur Stunde und allermeistens auch das Üben. (Wir wohnen im gleichen Haus).
Die Klavierschule ist im Übrigen sehr kindgemäß und die Lehrerin geht das sehr entspannt an. Da kommt sie mit 5-10 Minuten Üben pro Tag aktuell dicke durch. Am Saxophon sind schon mindestens 20 Minuten erforderlich.
Aktuell übt sie meist lieber Klavier, als Saxophon.
5)
Ich bin äußerst gespannt, wohin die Reise noch geht... Wie gesagt bekomme ICH es nicht so ganz zusammen, dass sie einerseits nicht den Eindruck macht, dass sie große Freude am Instrument hat, andererseits aber so verbissen dranbleibt und nun sogar ein weiteres lernen möchte.
So das war da ausführliche Update. Falls es jemanden interessierte...