@rabaukenmama: ich kam zum Glück nicht/kaum in die Verlegenheit bisher, da meine Tochter sich wie geschrieben fixen Terminen tendentiell eher verweigert hat. Selbst bei Kursen, die ihr an sich großen Spaß machten, moserte sie fast immer, wenn wir deswegen los mussten oder sagte: "Ich finds blöd, dass da der ganze schöne Nachmittag dafür drauf geht".
Sie war im Kigalter im Chor, im Malkurs, beim Sport und im Instrumentenkarussell. (allerdings nicht alles zeitgleich)
Innerhalb des Kindergartenalltags auch noch beim Tanzen.
Außerdem waren wir oft bei Konzerten, was aber damit zu tun hat, dass ich selbst gern gehe und sie mit musste und/oder dass ihre Cousins/Cousinen mit auftraten.
Mit den Großeltern ist sie mitunter ins Puppentheater o.ä. gegangen.
Ein umfassend gefördertes Einzelkind sozusagen. Was sich aber wie gesagt tendentiell dagegen eher widersetzt hat!
Ich habe als Kind auch zahlreiche Freizeittermine gehabt, schon weil meine Eltern beide voll arbeiteten und der Nachmittag irgendwie gestaltet werden musste. Ich war quasi jeden Nachmittag der Woche woanders. (Kosten waren damals vernachlässigbar glaube ich, war in der DDR)
Ich erinnerte mich dann, als Tochter wie beschrieben reagierte, dass ich im Grundschulater auch oft keine Lust hatte und sogar schwänzte! (Bzw oft einfach den Termin verpasste, weil ich auf dm Weg dahin bummelte oder vergasß, rechtzeitig loszugehen, weil ich so ins Spiel vertieft war.)
Später wählte ich dann aber irgendwann gezielt selbst aus und war dann auch motivierter.
Meiner Erfahrung nach ist es heutzutage vor allem oft
zu früh, den Kindern schon im Kiga- und Grundschulalter so viel "aufzudrücken".
Selbst wenn sie sich dafür begeistern. Oft sind das aber auch vorrübergehende Interessen.
Und selbst wenn es den Interessen entspricht, wie bei meiner Tochter das Malen - es scheint ihr TROTZDEM wichtiger zu sein, ihre Zeit frei zu verbringen, als angeleitet.
Da vermute ich, dass das eine Altersfrage ist. Das Kigaalter ist im Normalfall einfach nicht die Zeit des angeleiteten Lernens, sonst könnte und würde man da ja die Kinder auch schon beschulen. Da lernen die Kinder genug und lieber und besser im Tun, im Alltag, im Zusammenspiel mit anderen.
Ich glaube, wenn ich noch mal entscheiden muss (z.B. bei Nr.2), werde ich einfach warten, bis das Kind selbst und über längere Zeit äußert, dass es dieses und jenes wirklich will.
Die Große fängt jetzt so langsam damit an: ihr Zweitinstrument hat sie ja auch "durchgesetzt", weil sie längere Zeit immer wieder darauf drängte.
Das ist das erste Mal, dass sie von sich aus etwas unbedingt machen wollte. (Ich selbst war/bin da gar nicht sooo dafür, wegen des Zeitaufwandes und der Kosten)
Im Nachhinein betrachtet hätte ich mir eigentlich fast alles an Kursen im Kigaalter sparen können. das hat nur unnötig den Alltag zerrissen und gekostet. Das Beste daran war eigentlich die Zeit der Wege dahin, die wir wegen fehlendem Auto oft zu Fuß erledigt haben und wo wir viel miteinander geredet und Geschichten erzählt haben.
(Eine Ausnahme: der "Musikgarten"-Kurs im Babyalter - das hat mir persönlich unglaublich viel gebracht und wirkt nachhaltig weiter. Soweit, dass ich und KInd Freundschaften dort geknüpft haben, die bis heute bestehen aus denen jetzt für mich eine kleine Musiziergruppe (Eltern) geworden ist. )
Ich sehe da übrigens hier im Umfeld einen Trend in der Richtung "reduzieren". Also dass Eltern sich dem "Kursdruck" widersetzen und ihre Kinder bewusst NICHTS machen lassen. Habe ich jetzt schon von mehreren Eltern in Kinds Klasse gehört. Also es gibt hier einige Grundschulkinder aus bemühten Akademikerhaushalten, die NICHTS machen oder nur Sport zusätzlich.
Das sind übrigens alle sehr leistungsstarke Kinder aus Tochters Klasse.
Die Eltern sagten ganz bewusst: Wir machen da nicht mit, wir wollen nicht, dass das Kind von Termin zu Termin rennt. Es beschäftigt sich wunderbar auch so - warum sollen wir da eingreifen?
Also ich würde ein interessiertes Kind sicher nicht ständig ausbremsen, aber man muss auch nicht "das volle Programm" auffahren, nur weil ein Kind klug und begabt und vielseitig interessiert ist. Und muss da wohl auch keine Angst haben, es könne was verpassen.
Das ist meiner Meinung und Erfahrung nach wohl zumindest im Kigaalter udn womöglich auch im Grundschulater noch ungerechtfertigt und unnötig.
Immer natürlich unter Vorbehalt, denn ich gehe natürlich von meinen Kindern und Beobachtungen nur in meinem Umfeld aus.
Und da weiß ich von fast niemandem IQ.
Vielleicht gibts auch die Kinder, die das alles fordern und brauchen. Ich kenne aber keines.
Die auffallend klugen Kinder im Kiga und Grundschulater, die MIR hier bisher begegnet sind, fallen eher durch Kreativität im freien Spiel auf und brauchten im Grunde vor allem Freizeit und Draußensein zum Glück.
(Ausgenommen ein mathematisch hochbegabter Junge mit Asperger, der seine Freizeit vor allem allein vorm Bildschirm verbringen mag)
Bei meiner großen Tochter (2. Klasse, 8 Jahre) kann ich sagen, war und ist bisher am nachhaltigsten für sie:
- die Zeit, die wir in Familie verbringen, am Liebsten draußen.
- unsere Urlaube. (Meer, Wandern in den Bergen, eine Fernreise, kleinere Ausflüge mit Freunden)
- sämtliche Verabredungen zum Spielen mit anderen Familien und Freunden.
(Was Kind (und ich selbst) DA alles für Impulse bekommt und lernt! Und mit jedem Spielfreund entsteht eine andere Dynamik und wird anderes gespielt!)
- Vorlesen. (Das ist ja wie gemeinsam auf Fantasiereise gehen)
Alles andere hätte ich getrost auch lassen können.
