Ganz selbstkritisch wuerde ich sogar berichten, dass ich bei der Grossen allen Ernstes ansatzweise glaubte, was der Grundschullehrer sagte. Sie haette in Mathe zu wenig drauf - wuerde noch mit den Fingern zaehlen.
Der Instinkt liess mich mit Kampf und Co das Kind aufs Gymmi schicken und den Sprachenzweig waehlen. Das klappte erst ganz manierlich und brach dann ein - denn eine Sprachenbegabung war nicht da - dafuer eine ueberdurchschnittliche mathematische Begabung. Ich bloede Kuh, ich. Ich stamme noch aus so einem klassischen Haushalt, in dem es ganz pauschal hiess, Maedchen koennen kein Mathe.
Die grosse Tochter studiert einen Ingenieur Beruf und mischt wieder ganz vorne mit.
Mir ist das echt peinlich und ich gelobe es bei der naechsten Tochter besser zu machen.
Ich kann aber durchaus Frauen verstehen, die Maedchen vielleicht ausschliesslich auf KKK ( Kinder, Kueche, Kirche) beschraenkt sehen - aber akzeptieren kann ich es jetzt so wenig wie in meiner Jugend, wo ich auch mit eisernem Willen mein Studium fixierte. Ich erinnere noch gut die Sprueche meiner Tante: Was? Eine schlechte Zensur? Nehmt das Kind doch von der Schule! Kriegt doch eh nur Kinder.
Da krankt die ganze Gesellschaft dran, ehrlich.
Entweder oder - keinesfalls beides. In der Stadt haben sich die Zeiten vielleicht geaendert. Hier nur bedingt.
Ich oute mich vielleicht als Feministin, was scheinbar antiquiert ist, weil nicht noetig?!
Aber ich glaube ganz sicher nicht, dass wir im Ort hier die geistige Elite sind und unter uns nur Dorftrottelinnen leben. Und das heisst im Klartext, dass hier Kinder "klein gehalten" werden - seit Generationen. Und das macht mich enorm wuetend. Und je aelter ich werde, desto wuetender

Es gibt Ausnahmen. Und wie die geradezu schlafwandlerischdie Probleme haben... die Lehrerin, die hier - eckig zwar, aber schliesslich mit wirklichem Einsatz - Lena im Sprung unterstuetzte... die war SO was von unbeliebt! Zu streng, zu laut, zu waeh....
ich habe bei der Verabschiedung noch genau hingesehen... wie sie jenen Maedchen nochmal im Rausgehen versuchte zu vermitteln, dass ihr spaeteres Auskommen...
Abwinken. Auch von den Eltern. Ich stand da ganz allein mit einem Blumenstrauss. Als Anerkennung - trotz Kritik an uns - ihrer Verdienste. Wozu auch gehoert, dass man den Kindern mal einen drastischen Vortrag haelt!
Lena spielte auch mit Barbies, hatte eine rosa Farbphase und drehte sich selbstverliebt vorm Spiegel. Frau sein - in der Zukunft - ist ja schoen. Da werden immer noch Puppen bemuttert - aber eben immer weniger. Und immer mehr wurden andere Sachen fuer sie wichtig. Das Sax, die Wissens PC Spiele ( ihre Lieblinge sind von genius) und die Buecher. Zuletzte fiel selbst ich vom Hocker - als sie stundenlang in der Familiebibel las. Wir sind ein oekumenischer - nicht wirklich religioeser Haushalt.
Sie erlebt natuerlich schon eine andere Welt als ich seinerzeit - Papa arbeitet voll, aber 2 Tage zuhause. Mama arbeitet 20 Stunden - das ist so die Gratwanderung zwischen Ehrgeiz und Realitaet bei mir. Lena sieht ihre Zukunft beruflich sowie familiaer.
Ich werde nicht muede fuer dieses Frauenbild gesellschaftlich zu kaempfen! Die Ausbildung der Maedchen ist kein Selbstzweck. Wir haben im Freundeskreis schon ganz brutal gehoert, dass Frauen KKK abdecken sollen - und das bitte auch selbstredend intellektuell. Keinesfalls mehr. Das wuerden sie dann koennen, wenn die Ehe scheitert.
Nein, wie praktisch!
Ich hoffe meinen Toechtern zu vermitteln, dass Kinder und Karriere sich nicht ausschliessen - sehr wohl aber einer ganz gruendlichen Planung beduerfen - auch in der Partnerwahl. Es scheint verstanden worden zu sein.
Ueberspitzt formuliert heisst das auch, dass ich dankbar waere, wuerde die Kleine ihren Sprung "halten" koennen. Mit dem G8 gemeinsam kann die erstmal richtig in ihrem Beruf aufgehen und dann auf die innere Uhr hoern - ob sie tickt oder auch nicht.
Ich freue mich ueber jedes "kluge" Maedchen, das hier "auftaucht".
Nicht, dass mich eine falsch versteht - hat eine Frau die Moeglichkeit und den Wunsch sich ausschliesslich auf die KKK`s zu konzentrieren - dann ist mir das genauso recht wie andersrum.
Mir geht es um Maedchen, deren Zukunft eingleisig programmiert ist. Da schmerzt mich jedes einzelne Schicksal!
Viele Gruesse
Sabine