Linasina hat geschrieben:Meine große redet auch sehr viel. Ihr Wortschatz war schon mit 14 Monaten gross und mit einem Jahr 2 Wort Sätze. Sie kann sich viel merken. Mit 18 Monaten sang sie Hänschen klein. Jetzt merkt sie sich ganze Geschichten und Bücher. Sie schreibt ein paar Wörter aber das ist mit bald 5 Jahren normal. Wie war das bei Euren Kindern? Haben die auch immer alles in den Mund genommen oder eher nicht? Ach und noch was zur Trotzphase. Sie ist zwar nicht einfach aber wichtig für die kindliche Entwicklung finde ich.
Orale Phase hatten wir, aber die war nicht sehr ausgeprägt. Wie schon geschrieben hat sie z.B. ihre Bücher sehr früh schon angeschaut, statt angeknabbert, wie die meisten gleichaltrigen Kinder.
Die akute "Trotzphase" war bei uns wie gesagt auf eine sehr knappe Zeit beschränkt: um den 2. und um den 3. Geburtstag herum, je nur 4 bis max.6 Wochen, dann war der Spuk vorbei.
Sie hatte zu der Zeit auch einen schlechten Schlaf und den "Nachtschreck" (pavor nocturnus), so dass ich davon ausgehe, dass sie in der Zeit wohl insgesamt auch "physisch-chemisch" unausgeglichen war.
Das für mich Interssante daran war, dass sie das auch selbst so empfunden hat, also tw selbst sagte, dass sie gern aufhören würde zu weinen/bocken, aber es einfach nicht KANN.
Sie saß dann manchmal 20 Minuten vor mir und "wütete" und weinte und konnte sich nicht beruhigen (meist, weil sie etwas nicht hinbekommen hatte, wie gewünscht), ließ sich nicht anfassen, ich durfte aber auch nicht weggehen.
Kleinere Trotzreaktionen gabs natürlich auch mal außerhalb dieser Phasen, aber da konnte man immer gut mit ihr verhandeln. In den erwähnten Phasen hatte sie dagegen keine Kontrolle über sich.
Das mit dem "Verhandeln" hat eigentlich immer gut geklappt, ich habe dann Vorschläge gemacht oder mir ihre Vorschläge zur Lösung angehört, solange, bis sie bereit war, "einverstanden" zu sagen. Und wenn sie das einmal wirklich gesagt hatte, gabs dann auch keine weiteren Probleme. Also sie hat sich dann auch ohne erneute Diskussion/Jammern an Abmachungen gehalten. Das fand ich sehr angenehm und damals auch auffällig für das Alter.
(Bsp: sie darf kurz vor dem Essen noch was naschen, aber sie muss dann trotzdem ihr Brot und Gemüse/Obst ganz normal essen. Oder sie darf ausnahmensweise schonmal Freitag abend einen Film schauen (normalerweise nur am WE), aber dann gibst eben Samstag keinen.)
Aber so ist sie bis heute - wenn sie sich einmal etwas vorgenommen hat, ist sie beharrlich. (siehe selbst gewählte vergetarische Ernährung)
Wobei mir das manchmal fast schon zu viel Vernunft/Ernsthaftigkeit ist für so ein kleines Kind.
(Aber da sie bisher Einzelkind ist, hat das evtl auch damit zu tun... wenn z.B. andere Kinder dabei sind, wirkt sie oft wesentlich weniger "erwachsen" und macht auch mehr Quatsch, als wenn wir in 1:1 Situationen sind. Trotzdem kam auch die Rückmeldung aus dem Kiga, sie wirke oft sehr "kontrolliert", ernsthaft und vernünftig.)
Ich denke zwar auch, dass "Trotzphasen" zur Entwicklung gehören, aber viel eben auch vom Charakter des Kindes abhängt und dem Umgang der Eltern damit.
Ich weiß noch, dass meine Mutter in der einen Phase meinte: "Du, sie tanzt dir derzeit ganz schön auf der Nase rum, du musst vielleicht DOCH mal etwas strenger durchgreifen".
Das war die Zeit, wo sie sich z.B. weigerte, die Schuhe/Jacke anzuziehen, in die Badewanne zu gehen, mitzukomnen, wenn wir gehen wollten etc.
Ich habs dann
einmal mit Gewalt probiert (Schuhe anziehen) und mich dabei so mies gefühlt, dass ich mir dann gesagt habe: sie war bisher so unkompliziert, ich bin jetzt einfach mal zuversichtlich, dass das wieder vorbei geht und mache jetzt NICHT plötzlich "auf autoritär".
Und es war das Richtige, denn wie gesagt ging das dann ganz von allein und auch recht schnell vorbei und sie war wieder die Alte. OHNE dass ich ich strenger ihr gegenüber gewesen bin.
Ich halte es da mit Jesper Juul, der sagt, in der Trotzphase fangen die Kinder an "ihren eigenen Willen zu feiern" und eigentlich wäre das eine tolle Entdeckung, die sie da machen.
Ich hab also versucht, das gelassen zu sehen und sie "feiern" zu lassen und auch mal nachgegeben.
Da sie so gut sprechen/argumentieren konnte, hab ich dann auch oft gesagt: "Ok, sag mir, WARUM du das jetzt so oder so machen willst bzw mache mir einen anderen Vorschlag, vielleicht kannst du mich überzeugen!"
Ich habe das Gefühl, dass allein das "angehört" werden dann schon dazu beigetragen hat, dass sie dann wieder kompromissbereiter wurde...
Selbst wenn das Ergebnis der "Verhandlung" dann war, dass wir es TROTZDEM lieber so machen, wie ich es wollte...
Aber mir ist schon klar, dass das viel an IHR lag, mit anderen Kindern mit einem anderen Charakter geht sowas evtl dann halt auch nicht.
(ich bin gespannt, wie es bei Nr. 2 wird, wer weiß, an welche Grenzen und zu welchen Methoden sie mich dann bringt...

)
Schreiben tut meine übrigens auch "nur" altersgemäß, vom Lesen ist sie weit entfernt, denke ich. Auch dass sie Sachen auffällig gut auswendig lernt, finde ich jetzt nicht so. Aber sie merkt sich Details gut und hat Erinnerungen etwa bis 2-3 Jahre zurück.
Gesungen hat sie auch sehr früh und auch melodisch und textlich richtig, aber auch da ist derzeit das Interesse nicht so stark.
Ich habe eine heimliche Aufnahme von ihr, die ich abends mit der Kamera vor der Schlafzimmertür gemacht habe. Sie sang sich selbst eine "Schlaflied"
"Kam ein kleiner Teddybär". Da war sie knapp unter 2. Da gibts eine Stelle: "...und sein Fell ist kuschelweich, alle Kinder rufen gleich..."
Da hört sie mitten im Lied auf zu singen. Stille. Dann nachdenklich: "weich, weich ist das!" - und dann singt sie erst weiter.
Das finde ich auch sooooo niedlich - da hat sie offensichtlich beim singen richtig über den Text nachgedacht...
Farben konnte sie mit 18 Monaten alle und zu der Zeit sprach sie auch Sätze mit bis zu 7 Worten. (Das weiß ich genau, weil ich einige Videos aus der Zeit habe)
Der Wortschatz war auch früh auffällig, die Krippenerzieherin wunderte sich z.B., dass sie mit unter 2 Jahren selbstverständlich von "Keramik" sprach, als sie eine Blumenvase suchte. ("Stimmts, die ist aus Keramik?")
Die typische Babysprache hat sie übrigens auch weg gelassen. Also sie sagte zwar "Gogg" statt "Stock" (unter einem Jahr), aber man wusste immer, was sie meinte - sie brabbelte keine "Pseudowörter". (Ihr Freund - sehr musikalisch - sang dagegen ganze Lieder in Fantasiesprache. Das klag immer sehr überzeugend, aber kein einziges Wort war "richtig". Es KLANG nur wie Sprache. Sehr süß übrigens!)
Gelaufen ist sie mit 10/11 Monaten.
Radfahren hat sie zwar mit dreieinhalb "technisch" gelernt, wollte das aber dann nie so richtig, weil sie sich zu unsicher dabei fühlte. (Sie dachte immer daran, was alles passsieren könnte... es gab auch ne Phase, da wollte sie nicht mit uns Boot fahren, weil man da ja ertrinken könne)
Erst jetzt mit grad 5 fährt sie wirklich gerne Fahrrad.
Gepuzzelt hat sie mit 2 mal 3 Monate ganz, ganz viel (so 25er Puzzles) und dann laaange gar nicht mehr. Das kam jetzt erst mit viereinhalb wieder. (200 Teile schaffst sie derzeit so)
Lange hatte ich das Gefühl, dass Zahlen/Mathe sie gar nicht interessieren, bis wir ihren Cousin (damals 1. Klasse) mal fragten, wie viele Fischstäbchen wir kaufen müssen, wenn 5 Leute je 3 Stück essen. Da war Tochter 4einhalb und sagte ganz selbstverständlich: 15!
Wir konnten das gar nicht glauben, zumal sie plus und minus NICHT besonders gut rechnen konnte.
Aber sie kann wirklich gut und zuverlässig multiplizieren, bis ca. 25.
Ich hab mich schon mehrfach gefragt, wie genau sie das macht, ob sie sich eine Art Matrix vorstellt bzw in Mustern denkt...?!
Denn wenn ich sie frage, wieviel 2x7 ist, sagt sie zuverlässig ein richtiges Ergebnis, frage ich sie, wieviel 7+6 ist, schimpft sie, das könne sie nicht und verzählt sich dabei auch schnell mal.
Was bei ihr aber am Auffälligsten ist, ist ihr Gespür für Zusammenhänge und ihre Vorstellungskraft. Sie weiß z.B. beim Vorlesen sehr häufig wie es weitergeht, wenn irgendein "Geheimnis" in der Geschichte versteckt ist, ist ihr das oft sehr früh schon klar. Mitunter hatte ich echt das Gefühl, sie KENNT die Geschichte schon, weil sie die weitere Entwicklung der Geschichte und Personen so gut vorhergesehen hat! (Und das betrifft keine Bilderbücher, wir lesen schon lange richtige Bücher... sogar den "Hobbit" haben wir schon gelesen, das wollte sie unbedingt, weil die großen Cousins davon erzählt hatten)
Mit 3 fragte sie mich mal, was eigentlich ein "Krimi" sei. Ich erklärte, dass da meist ein Verbrechen geschieht und es dann darum geht, herauszufinden, wer das war und wie es passiert ist.
Sie kommentierte: "Aha, wie ein Labyrinth also!" - ich glaube, treffender kann man das zugrundliegende Konzept eines Krimis kaum ausdrücken, oder?
(Ich denke übrigens nicht, dass meine Tochter "hochbegabt" ist, wir werden sie auch ganz normal einschulen - sie will auch selbst noch gar nicht in die Schule - aber ihre Denkweise ist auf jedenfalls in vielen Dingen irgendwie "besonders".)
PS: Wenn ich grad so viel über Tochter schreibe, liegt das daran, dass ich in letzter Zeit wieder viel an die ersten Jahre gedacht habe und auch alte Videos und Fotos angesehen habe... Weil halt grad Nr. 2 ansteht... ich hoffe, es ist euch nicht zu viel.
