Atypischer Autismus? Erfahrungen gesucht!

Hochbegabung geht oft mit Wahrnehmungesstörungen Hand in Hand
Rabaukenmama
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Re: Atypischer Autismus? Erfahrungen gesucht!

Beitrag von Rabaukenmama »

unwissende-neu hat geschrieben: Koschka, könnte es sein, dass du als Kind einfach zu viel analysiert hast?
Ich bin zwar nicht koschka sondern Rabaukenmama ;) , aber das habe ich auf jeden Fall. Soger noch mit über 30, als ich meinen jetztigen Mann kennengelernt habe, musste er oft schmunzeln wenn ich z.B. bei einem Fantasyfilm genau analysiert und erklärt habe warum das, was sie da zeigen, im wirklich Leben nie möglich wäre. Mein Mann meinte dann immer "Hey, das ist ein FILM, der wurde gemacht um Leute zu unterhalten, nicht um der Realität möglichst nahe zu kommen!"
unwissende-neu hat geschrieben: Ich persönlich habe lange Jahre damit verbracht "unbewusst" Menschen und ihre verhaltensweisen zu studieren. Weil sie mir auf dem ersten Blick auch sehr unlogisch vorkamen. Dadurch wirkte ich ebenfalls ein wenig autistisch. Das verhalten ging bis ins frühe Erwachsenenleben mit rein. Aber es war wohl eher so, dass ich versuchte zuviel hinein zu interpretieren. Heute erkenne ich soziale Zusammenhänge überdurchschnittlich gut und erkenne auch sehr gut, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht. Das konnte ich vermutlich als Kind auch schon und war daher verwirrt, weil man ja eigentlich davon ausgegen sollte, dass Erwachsene den größten Teil des Tages die Wahrheit sprechen - das tun sie aber nunmal nicht und so kann aus Kindersicht es erschwert werden, es zu verstehen, da man zuviel auf einmal versteht. Das sind die Symtome auf dem ersten Blick gleich, die Ursachen aber genau gegenteilig.
Ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht wusste ich auch schon als Kind. Leider habe ich mir meinen Instinkt (der in dieser Hinsicht immer gut funktioniert hat) zu oft ausreden lassen. Ich weiß auch noch dass meine Eltern, als ich ca. 13 war, mit mir zu einem Kapazunder der Kinderpsychologie nach Kärnten (damals 6 Stunden Fahrzeit pro Strecke) gefahren sind. Ich sah diesen Arzt und er war mir sofort extrem unsympathisch, ohne dass ich hätte sagen können, warum. Er sehr professionell und sowohl zu meinen Eltern als auch zu mir sehr freundlich. Wegen der Entfernung blieb es bei dem einen Termin, wo ich mich unter anderem in Anwesentheit meiner Eltern vor dem Arzt bis auf die Unterhose nackt ausziehen musste, damit er in seinen Bericht von meiner "nicht altersgemäßen" körperlichen Entwicklung schreiben konnte.

Jahre später haben meine Eltern und ich aus dem Radio gehört, dass genau dieser Arzt etliche junge Mädchen, die ihm für dauerhafte Therapie anvertraut waren, sexuell belästigt und teilweise sogar missbraucht hat!!!! Da war ich schon erwachsen und alles, auch das ausziehen vor dem Arzt in Anwesenheit meiner Eltern, ergab plötzlich einen Sinn. Wenn es ok ist, sich vor ihm auzuziehen, und nicht mal die eigenen Eltern was dagegen haben, ist es für Mädchen in dem Alter, die noch dazu psychische Probleme haben, sicher sehr schwer, abzuschätzen, wann der Arzt seine Grenzen überschreitet, wenn die Eltern NICHT mehr dabei sind.

Das ist eine Episode aus meiner Kindheit, die mir klar in Erinnerung geblieben ist. Aber es war längst nicht das einzige Mal, dass ich Erwachsene irgendwie "durchschaut" habe, auch wenn sie nach außen hin freundlich getan haben. Ich verstand trotzdem (oder deshalb?) oft den Kontext nicht. Mir war auch nie klar, warum man alte Leute immer "ehren" sollte, und nicht dagegenreden durfte, auch wenn sie absoluten Unsinn redeten. Und genau das (deutlich älterere Leute kritisieren) war in meine Kindheit mit einer Todsünde gleichzusetzen. Und ich habe nie kapiert warum man ab einem gewissen Alter einen Freibrief für Verhalten und Äußerungen haben sollte. Wenn wer Unsinn redet ist es Unsinn, egal, ob es ein von einem Erwachsener, einem Kind oder einem Greis kommt!
unwissende-neu hat geschrieben: Auf Bildern hat es nichts zu sagen. Das kann man auswenig lernen wie Vokabeln. Die 7 Gesichtsmerkmale zu vergleichen, wenn das Gesicht konstant bleibt ist nicht schwer. Beim Autismus ist es das bewegende Gesicht, welches Probleme bereitet und vorallem Mikroexpressionen sind gar nicht möglich, dann bleibt für das Abgleichen nicht genug Zeit und es muss Intuitiv passieren.

Schwierig ist auch die Frage, ob Gefühle nur das Vokabeln gelernt worden sind, oder ob sie Gefühle wirklich verstehen. Also in welches Situation ist welches Gefühl zu erwarten. Vorallem auch zu differenzieren, weint jemand aus Freude, aus Traurigkeit und Schmerz oder aus Wut. Das gleiche beim Lachen. Ist es ein glückliches Lachen, ein Lachen aus Verlegenheit oder ein Lachen aus Boshaftigkeit. - Das ist mit den Problemen der Autisten meist gemeint. Und da scheint dein Sohn große Schwierigkeiten mit zu haben. Also das wirkliche Erkennen von Gefühlen und nicht das "Vokabeln zu Bilder" zusortieren. ;)
DAs auswendig-lernen von Gefühlen auf Bildern kenne ich von meinem jüngeren Sohn. Der schafft mittlerweile, traurig, böse und wütend ziemlich treffsicher zu erkennen. Im echten Leben ist er aber immer, wenn er ein weinendes Kind sieht, der fixen Überzeugung, das Kind habe irgendwelche Schmerzen. Auch als ich einmal aus Verzweiflung geweint habe, fragte er (in Gebärdensprache), ob ich mir weh getan habe. Dass Menschen im echten Leben auch aus anderen Gründen ist noch nicht zu ihm durchgedrungen.

Bei meinem älteren Sohn vermute ich nicht, dass er das erkennen von Gefühlen auswendig gelernt hat. Wenn er weiß, dass er wo nicht beteiligt ist, oder nicht "gemeint" sein kann, erkennt er Gefühle von je her sehr treffsicher. Aber er sieht sich selbst oft als Opfer und ist irgendwie manchmal (nicht immer!) der Überzeugung, alle Menschen der Welt hätten es darauf abgesehen, ihn auszulachen, auszuschließen oder irgendwie runter zu machen. Und DAS verzerrt seine Einschätzung. Es gab schon etliche Situationen, wo sich mein Sohn unbegründet "ausgelacht gefühlt hat. Ich bin mir sicher, würde er dieselben Szenen als Film sehen (wo er weiß, dass er NICHT gemeint sein kann) könnte er das lachen richtig einordnen.

Selbst lacht mein älterer Sohn nicht so, wie andere Kinder, oder auch sein jüngerer Bruder. "Normales", fröhliches Kinderlachen habe ich von ihm schon sehr lange nicht mehr gehört. Statt dessen ist es ein lautes, hysterisches, kreischendes Lachen, das in den Ohren weh tut. Alles wirkt so übertrieben. Das ist mir schon lange aufgefallen und es macht mich ratlos. Ich will mein Kind, das ohnehin schon alles auf sich bezieht, nicht auch noch für sein lachen kritisieren. Und wie auch immer ich es formulieren würde, er würde es auf jeden Fall als Kritik auffassen. Dabei geht es mir nicht darum, dass er sein lachen "korrigieren" soll. Mir kommt vor er lacht nicht, weil ihm wirklich zu lachen ist, sondern weil er der Ansicht ist, dass in dieser Situation lachen angebracht ist. Und das macht mich einfach nur traurig.
unwissende-neu hat geschrieben:
Dafür spricht zum Beispiel auch die Geschichte mit der Rutsche. Hat er sich einfach die Regel gemerkt, kein Kind darf auf der Rutsche sein, wenn ich rutsche, also muss ich warten, oder nimmt er von sich aus Rücksicht. Das kannst du nur in neuen Situationen sehen, die er nicht kennt und keine Verhaltensregel dafür im Ärmel hat. Kann er dann andere Regeln von sich aus darauf anwenden, und musst du für jede Situation ihm vorher die Regel vorgeben? - Weißt du was ich meine?
Obwohl mein Sohn sehr gut auswendig lernt, merkt er sich Verhaltensregeln nur sehr schwer bis gar nicht. Erst in den letzten Tagen hatten wir wieder etliche Gespräche bezüglich spucken. Er merkt sich z.B. nicht, dass es ein no-go ist, in Innenräumen auf den Boden zu spucken. So was verstehe ich einfach nicht! Ich bin in so Situationen hin- und hergerissen zwischen dem Gefühl, er wolle absichtlich provozieren, und der Ohnmacht, dass ein 7jähriges Kind so Standardverhalten offensichtlich immer noch nicht "verinnerlicht" hat. Um zu deiner Frage zurück zu kommen: vermutlich müsste ich für jede Situation Regeln vorgeben.

Das interessante daran ist, dass mein jüngerer Sohn an der Rutsche wirklich AUS RÜCKSICHT nicht rutscht, wenn andere Kinder noch im Auslauf stehen. Er liebt Rutschen, seit er raufklettern kann. Durch die im Kleinkindalter sehr eingeschränkte Möglichkeit zur Kommunikation konnte ich ihm damals gar keine "Regel" mitgeben. Aktives Sprache (auch Gebärde) hatte er mit 2 Jahren noch gar keine, sein passives Sprachverständnis war auch gering und der Blickkontakt viel zu kurz und flüchtig, um "Rutsch nicht, wenn ein anderes Kind noch auf der Rutsche ist!" zu gebärden. Er hat es einfach von sich aus gemacht!
unwissende-neu hat geschrieben:

Ui, dass Problem ist mir durchaus auch leider sehr bekannt. Da drücke ich euch ganz fest die Daumen, dass es zu einer schnellen Problemlösung kommt. Solche Anzeichen halte ich für sehr Handlungsbedürfig.
Ich bin immer noch am überlegen, wie die Handlung aussehen könnte. Organisch ist ja alles abgeklärt, das einnässen hat sicher psychosomatische Ursachen. Mit dem Kinderarzt habe ich vor längerer Zeit mal besprochen, dass aus seiner Sicht spätestens ab Schulstart Medikamente sinnvoll wären, um die psyschische Belastung nicht durch auslachen und mobbing (von Seiten andere Kinder, die es merken) noch schlimmer zu machen.

Jetzt haben wir aber die Situation, dass sich das Einnässen bis auf ganz wenige Ausnahmen auf daheim und Familienausflüge beschränkt. Die Notwenigkeit, Medis zu geben, dass er nicht auch noch ausgelacht wird, besteht hier nicht. Und mein Gefühl sagt mir immer noch, dass es wichtiger ist, die Ursache für das einnässen zu finden zu - soweit möglich - zu beseitigen, als die Symptome mit Medikamenten niederzudrücken.
unwissende-neu hat geschrieben:
Ich selbst habe in meinem Leben eine Menge verschiedener Diagnosen bekommen. Davon einige, die völliger Quatsch waren. Und auch heute bin ich mir persönlich nie sicher, welche Diagnosen nun stimmen oder nicht. Mein einziges Fazit: Diagnosen sind weder für den Patienten noch für die Eltern wichtig. Aber ein notwendiges Übel für die Abrechnung der Krankenkassen und für die Therapie. - Es sollte nur wichtig sein, was funktioniert. Welche Therapie greift und was verbessert das Leben wirklich.
Leider fällt und steht dann alles mit dem blöden ICD-10 Schlüssel bzw. DSM IV oder V. Denn danach richten sich die Hilfen, egal ob Reha, Medikamente, Therapie oder Behindertenausweis. Aber bei 90% aller psychischen Erkrankungen hilft eine XY Therapie eh nicht und muss individuell zugeschnitten werden. Und die Übergänge sind immer schwimmend. Es gibt kaum einen Lehrbuch Kranken in der Psychiatrie. Gerade bei Komorbiditäten ist es kaum noch einzusortieren. Und viele Ärzte haben auch Schwierigkeiten Symptome von weiteren Erkrankungen abzugrenzen.

Ich persönlich finde aber schon, dass auch er sehr nach einem Autisten klingt. Und auch wenn er es nicht sein sollte, und es sich später "verwächst" die Therapie würde ihm momentan vermutlich nicht schaden denke ich ;) Auf jedenfall scheint er aber hilfe zu brauchen und nur das ist wichtig.
Ja, bei meinem älteren Sohn klingen die Verhaltensweisen es nach einem Autisten. Und so ähnlich er mir auch ist, der Unterschied besteht doch darin, dass ich mit 4 Jahren schon eine "beste Freundin" hatte, und nie so ein totaler Einzelgänger war, wie er es ist.

Aber auch alle ADHS-Kriterien treffen bei meinem Sohn zu. Ich bin erst vor 2 Tagen eher zufällig auf einer Internet-Seite über ADHS gelandet, wo 12 Fragen waren, die grundsätzlich abkläfen sollten, ob eine Diagnostik in Richtung ADHS sinnvoll wäre. Ab 4 Ja-Antworten besteht die Möglichkeit von ADHS, bei meinem Sohn waren alle 12 Punkte klar mit "ja" zu beantworten.

Das gibt mir natürlich auch zu denken, obwohl ich mittlerweile weiß, dass sich ADHS und Autismus nicht ausschließen. Aber bei ADHS läuft es doch häufig auf medikamentöse Behandlung hinaus. Die lehne ich zwar nicht grundsätzlich ab, bin aber sehr vorsichtig. Beim älteren Sohn meines Mannes (aus erster Ehe) wurde ja falsch ADHS diagnostiziert und er brauchte ab Erkennen der Fehldiagnose 3 Jahre, bis der die Medikamente (unter ärztlicher Aufsicht) vollständig wieder abgesetzt hatte.

Umgekehrt will ich meinem Sohn, wenn er unter seiner Art von Wahrnehmungsstörung sehr leidet, keine Medis vorenthalten, die ihm vielleicht helfen könnten. Ich handle ja viel nach Gefühl und bei gesichterter ADHS-Diagnose würde sich für mich sowohl die Entscheidung für Medikamente, als auch die dagegen, instinktiv falsch anfühlen. Dabei will ich sicher keine Diagnsotik verhindern oder hinauszögern, weil ICH damit nicht gut umgehen kann. Aber vermutlich würde ich erst mal versuchen, alle Therapiemöglichkeiten und Verhaltenstipps, wo ich ohne Medis auskomme, auszuprobieren.

Ach, es ist insgesamt total schwierig :( ! Danke für deine Gedanken und sorry für´s jammern :fahne: !
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
unwissende-neu
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Re: Atypischer Autismus? Erfahrungen gesucht!

Beitrag von unwissende-neu »

Ach, es ist insgesamt total schwierig :( ! Danke für deine Gedanken und sorry für´s jammern :fahne:
oh ja, ich kann so mitfühlen. Und jammer ruhig weiter, dann habe ich kein schlechtes Gewissen beim Jammern *lach*

ich schreibe dir heute abend noch mal ausführlich, ich muss jetzt gleich mal kurz das Kindertaxi spielen ;)
unwissende-neu
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Re: Atypischer Autismus? Erfahrungen gesucht!

Beitrag von unwissende-neu »

Ich bin zwar nicht koschka sondern Rabaukenmama
oh Entschuldigung, dass hätte nicht sein sollen. Koschka hatte meinen Beitrag beantwortet. Aber in Gedanken war ich schon bei euch und nicht bei Koschka ;)
Jahre später haben meine Eltern und ich aus dem Radio gehört, dass genau dieser Arzt etliche junge Mädchen, die ihm für dauerhafte Therapie anvertraut waren, sexuell belästigt und teilweise sogar missbraucht hat!!!!
Wow, dass ist aber ein starkes Stück. Da läuft es einem ja kalt den Rücken runter... man mag gar nicht weiterdenken....
Das ist eine Episode aus meiner Kindheit, die mir klar in Erinnerung geblieben ist. Aber es war längst nicht das einzige Mal, dass ich Erwachsene irgendwie "durchschaut" habe, auch wenn sie nach außen hin freundlich getan haben......
oja, dass kommt mir auch sehr bekannt vor. Hohe Sensibilität und intuitive Emotionalität geht oft mit ADS ohne H einher. Ist teilweise sogar ein Diagnosepunkten von vielen, soweit ich weiß. - Ist ja ansich nicht pathologisches, kann aber im Alltag problematisch und hinterlich werden. Und schwupps wird man zum Sonderling, weil andere verwundert sind, dass man hinter die Maske blicken kann.
Mir war auch nie klar, warum man alte Leute immer "ehren" sollte, und nicht dagegenreden durfte, auch wenn sie absoluten Unsinn redeten. Und genau das (deutlich älterere Leute kritisieren) war in meine Kindheit mit einer Todsünde gleichzusetzen. Und ich habe nie kapiert warum man ab einem gewissen Alter einen Freibrief für Verhalten und Äußerungen haben sollte. Wenn wer Unsinn redet ist es Unsinn, egal, ob es ein von einem Erwachsener, einem Kind oder einem Greis kommt!
Da bin ich etwas anders erzogen worden, denn meine Eltern waren ebenfalls Sonderlinge und Quertreiber. Daher hatten wir zeitweilige aber auch nicht immer Kontakt zum Rest der Familie. Schwierig ist es nur, wenn man es quasi nicht eingetrichtert bekommen hat und auf Lehrer oder ähnliche "autoritäten" trifft ;)
Bei meinem älteren Sohn vermute ich nicht, dass er das erkennen von Gefühlen auswendig gelernt hat. Wenn er weiß, dass er wo nicht beteiligt ist, oder nicht "gemeint" sein kann, erkennt er Gefühle von je her sehr treffsicher. Aber er sieht sich selbst oft als Opfer und ist irgendwie manchmal (nicht immer!) der Überzeugung, alle Menschen der Welt hätten es darauf abgesehen, ihn auszulachen, auszuschließen oder irgendwie runter zu machen. Und DAS verzerrt seine Einschätzung. Es gab schon etliche Situationen, wo sich mein Sohn unbegründet "ausgelacht gefühlt hat. Ich bin mir sicher, würde er dieselben Szenen als Film sehen (wo er weiß, dass er NICHT gemeint sein kann) könnte er das lachen richtig einordnen.
Das könnte ggf. aber auch in das ADS Spektrum passen, denke ich.
Selbst lacht mein älterer Sohn nicht so, wie andere Kinder, oder auch sein jüngerer Bruder. "Normales", fröhliches Kinderlachen habe ich von ihm schon sehr lange nicht mehr gehört. Statt dessen ist es ein lautes, hysterisches, kreischendes Lachen, das in den Ohren weh tut. Alles wirkt so übertrieben. Das ist mir schon lange aufgefallen und es macht mich ratlos. Ich will mein Kind, das ohnehin schon alles auf sich bezieht, nicht auch noch für sein lachen kritisieren. Und wie auch immer ich es formulieren würde, er würde es auf jeden Fall als Kritik auffassen. Dabei geht es mir nicht darum, dass er sein lachen "korrigieren" soll. Mir kommt vor er lacht nicht, weil ihm wirklich zu lachen ist, sondern weil er der Ansicht ist, dass in dieser Situation lachen angebracht ist. Und das macht mich einfach nur traurig.

Das gleiche Phänomen habe ich bei meiner Großen ja auch. Nicht nur das Lachen, sondern auch das Weinen ist immer gleich so theatralisch ( wenn sie mal weint, was aber eher selten vorkommt). Sie läuft auch immer auf dem gleichen Level und man hat das Gefühl, sie kopiert die Gefühle. Aber sie ist ja momentan auch in einer depressiven Phase, wobei es nicht mehr so schlimm ist, wie vor den Sommerferien. Und bei Depressionen sind echte Gefühle wahrzunehmen ja auch immer so eine Sache und es kommt schnell mal zu Überreaktionen. Das kenne ich von mir, aus der Vergangenheit, auch.

Zusammen sind deine beiden Jungs aber Lehrbuch Autisten, oder? Nur jeder einzeln ist irgendwie lückenhaft *lach*
Jetzt haben wir aber die Situation, dass sich das Einnässen bis auf ganz wenige Ausnahmen auf daheim und Familienausflüge beschränkt. Die Notwenigkeit, Medis zu geben, dass er nicht auch noch ausgelacht wird, besteht hier nicht. Und mein Gefühl sagt mir immer noch, dass es wichtiger ist, die Ursache für das einnässen zu finden zu - soweit möglich - zu beseitigen, als die Symptome mit Medikamenten niederzudrücken.
Genauso ist es bei uns auch. Ganz selten mal, wenn sie von der Woche total fertig ist, nässt sie auch nachts mal ein. Aber eher am ende der Woche. Die Ärztin vermutete, dass der Schulalltag zu anstrengend sei, und zuhause dann quasi komplett einbricht. Wenn der Körper dann auf Entspannungsmodus geht, verliert sie dann die Körperwahrnehmung um es zu steuern. Sie kann also die Körperwahrnehmung vermutlich nur aufrechterhalten, wenn sie sich konzentriert. Dafür spricht auch, dass sie gar kein Durstgefühl oder Hungergefühl hat. Hunger bekommt sie nur, wenn sie essen riecht oder man sie dirket fragt und sie über "hunger" nachdenkt. Trinken ist immer schwierig. Das geht auch am besten durch warme geruchsintensive Getränke.

( ich berichte dann später mal, wie und ob die Medikamente auf die Wahrnehmung wirken, wenn wir mit dem rumprobieren etwas weitere Erfahrungen haben)
Aber bei ADHS läuft es doch häufig auf medikamentöse Behandlung hinaus.
Ja stimmt. Aber 15% aller Autisten werden in Deutschland auch mit Medikamenten behandelt ( Zahl hatte ich nicht im Kopf, sondern gerade mal schnell ergooglet). In den Niederlanden würde ich mal so gefühlmäßig sagen, liegt die Medikamentenquote höher ( unser autistischer Teil der Familie wohnt in NL) und in der USA wird die Zahl noch höher sein. Die Frage ist nicht, welche Diagnose, sondern welche Behandlung hilft. Denn Autisten können im Laufe des Lebens ja auch häufig Agressionen, Depressionen oder andere Symptome entwickeln, die dann oftmals leider auch mit Stimulantien, Antipsychotika, Neuroleptika oder Antidepressiva behandelt werden müssen.
Ich versuche immer zu vermeiden mit einer Diagnoseerwartung in eine Diagnotik zu gehen. Die Gefahr ist da, dass du dann Symptome subjektiv gewichtest und der Arzt dann schlecht objektiv diagnostizieren kann.
Ich habe so viele verschiedene Diagnosen bekommen, dass mir Diagnosen relativ egal sind. Es kommt auf die Wirksamkeit der Therapie an. Wenn eine Therapie gefunden ist, ist es auch völlig egal ob die Diagnose nun richtig oder falsch war. Manchmal reicht ja auch nur eine kurze Therapie um wieder in die Bahn zu kommen.
Und es zwingt dich niemand mit einer ADS Diagnose Medikamente zu geben. Bei unserem SPZ ( so merkwürdig der Laden auch sein mag) war es nie Thema. Dort wurde mir auch nahe gelegt ersteinmal andere Therapien zu probieren. Wir haben Omega3, dann irgendein Homöopatisches Mittel, vorher hatte ich schon mal mit ihr eine Bachblütentherapie gemacht, dann haben wir ja Familientherapie und Ergo. Egal welche Diagnose, solange es geht sollte es ohne Medikamente gehen. Aber glaube mir, Neuroleptiker sind wesetlich unangenehmer als Stimulanzien ( zu mindestens aus meiner Erfahrung).
Beim älteren Sohn meines Mannes (aus erster Ehe) wurde ja falsch ADHS diagnostiziert und er brauchte ab Erkennen der Fehldiagnose 3 Jahre, bis der die Medikamente (unter ärztlicher Aufsicht) vollständig wieder abgesetzt hatte.
Echt? Haben denn die Medikamente geholfen oder nicht? - Ich meine unabhängig von der Diagnose. Bei Unwirkamkeit sollte eigentlich jeder seriöse Arzt das Medikament wechseln oder sich etwas anderes ausdenken. Zumal es bei Psychopharmaka ja auch keine feste Dosierung gibt, sondern die Menge ja anhand des Symptomrückgangs ausgelotet wird.... - Aber selbst, wenn ein Arzt es wirklich so durchzieht, sagt man als Eltern doch irgendwann, dass die Medikamente keine Besserung bringen. - Es gibt ja auch medikamenten resistente ADSler, und nicht nur MPH sondern auch noch andere Mittel, wie z.B. Strattera oder Amphetamine die teilweise eingesetzt werden, nur halt nicht als Mittel der 1. Wahl, da diese Mittel in den Nebenwirkungen höher liegen.
Umgekehrt will ich meinem Sohn, wenn er unter seiner Art von Wahrnehmungsstörung sehr leidet, keine Medis vorenthalten, die ihm vielleicht helfen könnten. Ich handle ja viel nach Gefühl und bei gesichterter ADHS-Diagnose würde sich für mich sowohl die Entscheidung für Medikamente, als auch die dagegen, instinktiv falsch anfühlen. Dabei will ich sicher keine Diagnsotik verhindern oder hinauszögern, weil ICH damit nicht gut umgehen kann. Aber vermutlich würde ich erst mal versuchen, alle Therapiemöglichkeiten und Verhaltenstipps, wo ich ohne Medis auskomme, auszuprobieren.
Ja, dass kann ich verstehen und würde bzw. habe ich auch so gemacht. Allerdings habe ich nie das Gefühl gehabt, dass ich ein "Go" vom Arzt brauche. So tief ist mein Vertrauen in die Ärztewelt auch nicht *lach* gerade in dem Bereich halte ich für 50/50 change, ob die Diagnose richtig steht und ob sie sich in den nächsten Jahren noch mal ändert ;) Meine ersten Diagnosen waren MCD, danach HKS und beides gibt es nicht einmal mehr *lach*
Pflanzliche Mittel etc. sind ja frei käuflich und werden eh nicht verschrieben. Versuche doch mal einfach etwas. Du merkst ja ob sich was ändert. Ausserdem haben die Unikliniken einen großteil ihrer Studien auch im Internet veröffentlicht. Ich suche auch immer noch nach unserem Lorenzos Öl, vielleicht wird ja einer von uns fündig ;)
Rabaukenmama
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Re: Atypischer Autismus? Erfahrungen gesucht!

Beitrag von Rabaukenmama »

Hallo Unwissende,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Du solltest deine nick mal in "Wissende" ändern :mrgreen: !

Ich gehe jetzt nicht auf die einzelnen Punkte ein sondern antworte spontan, was mir gerade dazu einfällt. Ja, "gemeinsam" sind meine Söhne irgendwie klassische Autisten, irgendwie aber auch wieder nicht. Jedenfalls gibt es Punkte, wo beide nicht ins Schema passen. Das ist z.B. die grundsätzliche Aufgeschlossenheit gegenüber Fremden, kein Problem mit Veränderungen im Tageslauf oder umgestellen Möbelstücken usw. Bei meinem älteren Sohn war auch Blickkontakt nie ein Problem und dass wir das unbewusst mit ihm "trainiert" haben, will ich mir nicht einreden lassen. Grundsätzlich sehe ich schon, wo die Probleme liegen, und wo nicht.

Enttäuscht sind sowohl mein Mann als auch ich von der Entwicklungsdiagnostik. Die KJP wurde uns von zwei Personen unabhängig voneinander wärmstens empfohlen, vielleicht hatten wir dadurch auch hohe Erwartungshaltungen. Ich sehe es ähnlich wie du mit den Diagnosen: es ist nicht so wichtig, ob die Diagnose "stimmt" sondern ob die Therapie (bwz. das, was man dann tut bzw. unterlässt),anschlägt, oder nicht. Ich habe bisher nie bei Therapeuten von mir aus die Worte Autismus oder ADHS verwendet, weil ich davon ausgehe, dass sie das selber kennen (sonst wäre es ja sehr traurig!), weil ich die Diagnose nicht beeinflussen wollte. Statt dessen habe ich immer die Verhaltensweisen beschrieben.

Beim Endgespräch nach der Diagnostik hat sich mein Mann extra frei genommen. Und die Frau hat echt 90 Minuten geredet und dabei genau NICHTS gesagt :evil: . Wir haben beide im Gespräch mehrmals nachgefragt "Worauf wollen Sie hinaus?" aber es kam nicht. Es war viel blabla von wegen grobmotorischer Defizite (Häää???) und dann kamen Mutmaßungen dass die sozial-emotionalen Probleme (vor allem im Hort) daher kommen könnten, dass die anderen Kinder instinktiv bemerken wie unbeholfen mein Sohn motorisch ist, und ihn deshalb anders behandeln als andere Kinder, was dann angeblich seine Reaktionen hervorruft.

Sowohl mein Mann als auch ich halten das aber für Quatsch. Grobmotorisch ist mein Sohn durchschnittlich. Er kann altersgemäß radfahren, schwimmen, schifahren und klettern. All das macht er gern. Er mag keine Ballspiele, auch nicht Fußball, und wir drängen ihn in der Hinsicht zu nichts. Und aus der Tatsache, dass er sich (auch durch fehlende Übung) schwer tut, einen Ball zu fangen (das einzige grobmotorische, was die KJP mit ihm probiert hat) gleich gewaltige Defizite abzuleiten, finde ich schon ziemlich seltsam. Noch dazu, wo mein Sohn erst vor einigen Monaten zur Einschätzung der Motorik bei der Ergotherapeutin seines Bruders war, die zwar einige kleinere Defizite festgestellt (Gleichgewichtssinn, Körperwahrnehmung), aber keinen Handlungsbedarf gesehen hat. Sie meinte, mit diesen Defiziten würden etliche Kinder leben und es würde reichen, viele motorische Aktivitäten mit der Familie zu unternehmen und eine spezielle Therapie sei nicht erforderlich.

Aber die KJP ist offensichtlich der Ansicht, dass sich die psychosozialen Probleme meines Sohnes bessern würden, wäre er motorisch noch besser. Und ich bin mir sogar SICHER, dass das nicht stimmt! Mein Sohn ist kognitiv deutlich über dem Durschnitt, feinmotorisch sehr geschickt und grobmotorisch eben durchschnittlich. Wäre er auch grobmotorisch ein Überflieger hätte er TROTZDEM genau die Probleme mit Unsicherheit, Überreaktionen, Überdrehtheit und alles-auf-sich-beziehen wie bisher!

Das einzige, was wir von der KJP mitbkommen haben (auf einen schriftlichen Befund warten wir seit 5 Wochen) war eine Überweisung zu einer Kollegin, die die kognitiven Fähigkeiten austesten soll und die sich angeblich bei ASS auskennt. Warum die kognitiven Fähigkeiten getestet werden sollen ist mir unklar. Dass er da weit voraus ist, sieht und merkt jeder auch ohne speziellen Test. Auf ASS testen macht sicher mehr Sinn, und wenn gleich mit in Richtung ADHS geschaut wird, bin ich auch einverstanden, forciere es aber nicht speziell. Was mich skeptisch macht ist, dass diese andere KJP das alles in einem einzigen 2stündigen Termin machen will. Auf mein nachfragen plapperte sie am Telefon von "jahrelanger Erfahrung" und dass ich mich darauf verlassen könne, dass sie ihren Job verstehe. Das bezweifle ich jetzt nicht grundsätzlich, nur kenne ich meinen Sohn. Je nach Tagesverfassung kann er an komplett unterschiedlich drauf sein, was sich sowohl in Sachen Verhalten als auch Motivation niederschlagen kann. Es gibt durchaus Situationen, wo mein Sohn geerdet, reif und selbstsicher rüberkommt. Es kann aber auch genau das Gegenteil sein. Daher finde ich so eine Momentaufnahme von 2 Stunden, um eine etwaige Wahrnehmungsstörung zu erkennen und zu diagnostizieren, nicht wirklich sinnvoll.

Was den älteren Sohn meines Mannes betrifft, so war es quasi DER Klassiker von Fehldiagnose. Er hat allen Klischees von Menschen, die meinen ADHS gibt es ja gar nicht, entsprochen. Er war (und ist) stark übergewichtig, weil er ständig alles essen, naschen und knabbern durfte, was er wollte. Er hatte uneingeschränkten Zugang zu Fernsehen, Computer und Spielkonsole. Mit ihm wurde kaum etwas unternommen, nicht mal ein Spielplatzbesuch. Daher hatte er auch kaum Bewegung und war mit 8 Jahren bereits fernseh-, spiel- und eßsüchtig. Die allein erziehende Mutter war psychisch sehr labil (ich will nicht sagen "krank", weil ich nicht weiß, ob es je eine Diagnose gab) und überfordert. Sie hatte irgend was von ADHS gehört oder gelesen und lief dann so lange rum, bis sie eine Neurologin fand, die das diagnostizierte. Die Mutter hatte keinerlei Interesse an Verhaltenstherapie oder Selbsthilfegruppe für Eltern (mein Mann ist mit dem Vorschlag zu ihr gekommen und wäre auch mit ihr gemeinsam dort hin gegangen), sie wollte, nur dass der Bub möglichst schnell Medikamente bekommt, damit sie selbst es wieder leichter hätte.

Mit den Medikamenten wurde viel herum experimentiert. Anfangs bekam er "Concerta", was aber die Nebenwirkung hatte, dass er plötzlich in schwer depressive Phasen mit unerklärlichen Weinkrämpfen fiel. Er bekam dann was anderes, was genau weiß ich nicht weil wir die Pillen bei Übernachtungsbesuchen nur in einem Döschen ohne Verpackung mitgegeben bekamen. Da wir (mein Mann und ich) uns offen gegen die medikamentöse Behandlung ausgesprochen hatten (zumindest ohne vorher andere Möglichkeiten zu versuchen) glaubte die Mutter, wir wollten sie sabotieren, indem wir dem Bub die Medis nicht gaben. Das war natürlich Unsinn, uns war immer klar, dass wir eine laufende Therapie nicht so einfach abbrechen konnte.

Mit 10 Jahren bekam der Bub schon 4 Tabletten täglich. Laut eigenere Aussage "eine gegen ADHS, eine für die Konzentration, eine zum einschlafen und eine zum aufwachen". Trotzdem wurden die Probleme in der Schule und im Hort immer größer, er schlief während der Unterrichtsstunden ein und war nicht zu wecken. Dass es daran lag, dass der Bub bis 4h morgens Konsolenspiele "ab 18 Jahre" spielte, hat entweder niemand bemerkt oder niemand sehen wollen. In der Zeit schrieb mein Mann mehrere Briefe ans Jugendamt, das aber voll hinter der Mutter stand.

Auch mit anderen Kindern hatte er immer größere Schwierigkeiten, galt als unberechenbar und aggressiv. So habe ich ihn aber nie gesehen! Im Gegenteil, er war immer ein freundlicher, friedlicher Kerl, zwar mit einem ganz schönen Dickschädel (wie der Papa :mrgreen: ), aber durchaus sympathisch. Schließlich landete er für über 6 Monate stationär in einem Krankenhaus für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Als er reinkam war er 13, als er raus kam 14 Jahre alt. Dort wurde auch festgestellt, dass die Diagnose ADHS von Anfang an falsch war. Die Medikation wurde geändert, wobei er die Medis, die er über 4 Jahre bekommen hatte, nicht sofort absetzen konnte.

Nach der Pflichschule begann er eine Lehre als Koch. Obwohl es nicht von Anfang an klappte (die erste Lehrstelle hat er wieder verloren) blieb er dran, war aber immer noch in medikamentöser Behandlung. Als er einen Lehrbetrieb gefunden hatte, wo er als Persönlichkeit akzeptiert wurde, besserte sich auch sein psychischer Zustand. Mit 17 Jahren war er dann endlich so weit, komplett ohne Medikamente auszukommen. Im vergangenen April ist er 18 geworden und vor kurzem hat er seine Lehre abgeschlossen. Wir haben leider wenig Kontakt, weil er einfach andere Interessen hat. Aber der Verhältnis ist mittlerweile freundschaftlich-gut. Bei mir war es das eigentlich immer, sein Vater hatte früher mehr Probleme damit.

Das ist natürlich eine Erfahrung, die uns (meinen Mann und mich) bis zu einem gewissen Grad voreingenommen gegenüber Medikamenten macht. Obwohl wir natürlich nie auf die Idee kämen, von Arzt zu Arzt zu laufen, um einem 10jährigen Kind immer mehr Tabletten für alles mögliche verschreiben zu lassen! Aber wir haben selbst gesehen, dass es offensichtlich funktioniert. Wenn mein Mann beim Jugendamt das Ausmaß der Medikamente ansprach hieß es immer, dass die ja alle ordnungsgemäß ärztlich verordnet sind und daher gefährdet man das Kindeswohl nicht mit der Verabreichung sondern mit dem vorenthalten der Medis. Verkehrte Welt! Mittlerweile habe ich aber schon etliche sehr verantwortungsbewusste Eltern kennengelernt, die sich nach reiflichem Überlegen für Medikation entschieden haben. Vielleicht werden wir da ja auch mal dazu gehören, im Moment bin ich aber innerlich noch nicht so weit. Vermutlich, weil ich noch das Gefühl habe, die anderen Möglichkeiten nicht auszuschöpfen.

Themenwechsel. Meine Eltern waren auch immer irgenwie schräge Vögel. Mein Vater hat ja im Nebenberuf als Zauberer gearbeitet und war daher viel abends und nachts unterwegs. Meine sehr schöne Mutter war seine Asssistentin. Und in einer Kleinstadt ist ja schon das ziemlich verrucht: abends in irgendwelchen Discos oder Nachtlokalen im Glitzerkostüm rumhüpfen, sich zersägen lassen oder in der Luft schweben, war keine Beschäftigung für eine "anständige" Frau. Dass mein Vater im Erstberuf ein biederer Beamter und meine Mutter eine einfache Sekretärin war, hat nichts am leicht verruchten Ruf meiner Eltern geändert. Vor allem aber waren meine Eltern in Erziehungsfragen viel fortschrittlicher als die meisten anderen Eltern. So Strafen wie Fernsehverbot oder Hausarrest gab es bei uns nicht. Auch körperliche Gewalt, die damals oft in der Kindererziehung eingesetzt wurde, gab es bei uns nicht (nur in extremen Ausnahmefällen, wenn meinen Eltern wirklich mal die Nerven durchgingen). Daher war auch für viele andere Eltern klar, dass mein "renitentes" Verhalten auf die "lasche" Erziehung zurückzuführen sein, was natürlich Quatsch war. Ich wurde einfach nicht so streng in ein Schema gepresst, wie es damals üblich war, und glaube bis heute, davon profitiert zu haben :) .
Als du bei deiner Tochter vom fehlenden Hungergefühl geschrieben hast, musste ich auch sofort an meinen älteren Sohn denken. Bei ihm ist es dasselbe. Von sich aus empfindet er entweder gar keinen Hunger oder der Hunger ist schon so stark, dass SOFORT, also in der Sekunde, was zum essen her muss. Ein "dazwischen" gibt es nicht. Auch ans trinken muss er immer wieder erinnert werden.

Mein jüngerer Sohn dagegen hat in der Hinsicht ein gutes Gefühl. Er meldet, wenn er Hunger hat, kann auch warten, wenn es noch ein bißchen bis zum essen dauert, oder holt sich selbst was. Mit trinken ist es genauso. Er weiß, wo die Gläser stehen, und holt sich selbst Wasser, wenn er durstig ist. In Summe ißt er auch wesentlich mehr als sein Bruder.

Wegen medikamentöser Behandlung von Autismus: da wurde ich mal von einem Aushilfs-Busfahrer des Fahrtendienstes meines jüngeren Sohnes drauf angesprochen. Es ging darum, dass ihm mein Sohn zu lebhaft und stur war. Er ist halt keines der hilflosen, schwerstbehinderten Kinder, die nur apathisch im Sitz rumhängen, sondern will "selber machen". Mit seinen Stammfahrern hat er Abmachungen, was er selber machen darf: die Treppe vom Bus aus- oder einfahren, die Tür auf- und zumachen, usw. Der Aushilfsfahrer wollte das alles nicht und mein Sohn sah es nicht ein und wurde wütend. Daraufhin wollte ihn der Busfahrer mit Schokobananen zum brav-sein bringen. Aber wenn mein Sohn mal wütend ist, geht gar nichts mehr. Die Schokobananen landeten auf der Windschutzscheibe des nächstbesten Autos :P . Daraufhin meinte der Busfahrer beim heimbringen zu mir "Für solche Kinder gibt es Medikamente!". Leider mußte ich ihm dann klar machen, dass ich absolut nicht bereit bin, Medis zu geben, nur damit der Busfahrer sich nicht mit meinem Kind auseinander setzen muss. Klar ist es oft anstrengend, aber es ist auch Teil einer normalen kindlichen Entwicklung und die will ich sicher nicht mit Medikamenten ausbremsen.

Aber meines Wissens gibt es "das" Medikament für Autismus nicht. Man kann extreme Stimmungen dämpfen, und es mag durchaus Kinder geben, wo das Sinn macht. Aber die Störung selbst wird dadurch nicht besser. Hingegen ist bei ADS und ADHS eine große Pharmalobby dahinter, speziell für diese Auffälligkeiten entwickelte Medikamente zu vermarkten und deren Notwendigkeit zu propagieren - und zwar nicht nur bei Eltern, sondern auch und speziell bei Ärzten, Psychiatoren, Psychologen usw.

Ich sehe bei meinem älteren Sohn so ziemlich alle möglichen Hinweise auf ADHS - unabhängig davon, ob Autismus auch noch "dabei" ist, oder nicht. Weil er dadurch (ähnlich wie deine Tochter) im Alltag immer wieder Schwierigkeiten hat, will ich ihm durchaus helfen. Im Moment mache ich mich gerade schlau in Richtung oligoantigene Diät. Hört sich erst mal kompliziert an und dürfte es auch sein :roll: . Aber wenn ich alle Infos zusammen habe und abschätzen kann, ob wir überhaupt Chancen haben, die 4 Wochen "Weglassphase" durchzustehen, kann ich mir vorstellen, das ernsthaft auszuprobieren.

Mit Bachblüten probiere ich schon länger herum, habe auch eine eigene Bachblütenmischung für meinen älteren Sohn machen lassen. Nur leider bin ich nicht der Typ, der 6x am Tag daran denkt, die jeweils 4 Tropfen davon zu geben :oops: . Ich schussel mich immer so durch und bin auch sehr froh, nicht mehr jeden Tag an die Pille denken zu müssen, weil ich jetzt mit der 3-Monats-Spritze verhüte, wo ich im Kalender eintrage, wann ich wieder eine brauche.

Naja, im Moment bleibt ohenhin nur abwarten, was am Donnerstag bei der anderen KJP rauskommt. Ich werde berichten. Dir alles Gute mit deiner Tochter. Ich bin schon gespannt, wie es bei euch mit den Medis läuft.
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Maca
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Re: Atypischer Autismus? Erfahrungen gesucht!

Beitrag von Maca »

Hallo,

Zum Thema Medikamente wollte ich auch gerne etwas schreiben.
Meine Tochter hat ja mit 12 die endgültige ADS-Diagnose erhalten.
Sie war zu dieser Zeit in einem desolaten emotionalen Zustand, den ich aber damals aber gar nicht als so problematisch empfunden habe, erst im Nachhinein wurde mir bewußt, unter welchem Leidensdruck meine Tochter stand.

Für AD(H)S-Kinder ist das bloße Leben einfach schon anstrengender, als für neurotypische Kinder.
Ständig müssen sie die Dauerreizbeschallung ausfiltern, das gesamte Nervensystem reagiert permanent in gesteigertem Maße.
Je nach Ausprägungsniveau steigt die innere Unruhe.
Bei einer leichten Symptomatik kann man durch Routine, Sport, liebevoller Konsequenz, Yoga, Konzentrationstraining......viel kompensieren und die Kinder kommen klar.
Wenn aber die "Dysfunktion" im Stirnlappen sehr stark ausgeprägt ist, und das "Reizfiltersystem" seiner Arbeit so gut wie gar nicht nachkommt, wird das Leben manchmal echt ziemlich
ätzend!
Außerdem gelingen die neuronalen Verschaltungen und Vernetzungen im Laufe der Entwicklung nicht so ungestört, wie bei "gesunden" Kindern. Das Ausbilden fester, neuronal vernetzter "Lernbahnen" gelingt schlechter.

Meine Tochter hatte mit 12 Jahren einen klassische Burnout, sie war emotional ausgebrannt und vollkommen erschöpft.

Sie wurde nun über ein Jahr durch eine Kombination von Verhaltenstherapie plus MPH therapiert und es geht ihr deutlich besser. Ohne Therapie wäre der Verbleib auf dem Gymnasium nicht möglich gewesen.
Nun läuft es in der Schule gut, das letzte Schuljahr lief so nebenher, meine Tochter konnte sich ausgiebig ihren Hobbies widmen und hat sich unglaublich gut erholt.
ABER,
das große Aber kommt halt doch,
es gab eine
WESENSVERÄNDERUNG!
Aus meinem hochsensiblen, hochempathischen, wahnsinnig phantasievollen, total chaotischen, charmanten Kind wurde
ein ernstes, leicht gleichgültig anmutendes Kind, welches phasenweise einen leicht depressiven Eindruck machte.
In der Begabtenförderung "Kreatives Schreiben" schrieb sie ziemlich schlechte Texte, dafür lief es plötzlich in Mathe super, Mathelehrerin war begeistert.

Zur Zeit pausiert sie mit den Medikamenten. Für das nächste Schuljahr soll sie diese noch nehmen, sie möchte aber zur Zeit nicht, da sie sich ohne einfach lebendiger fühlt, generell einfach so viel mehr fühlt und darauf nicht wieder verzichten möchte.Andererseits schläft sie ohne Medikmente sehr schlecht.
Mit Medikinet wird der Schlaf-Wachrhythmus offenbar positiv beeinflusst.

Wir werden abwarten wie es weitergeht, wenn die Schule wieder beginnt.
Die Entscheidung wird ganz alleine bei meiner Tochter liegen.

Also aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass man wirklich genau abwägen sollte,
MPH wirkt bei einer richtig diagnostizierten ADS, keine Frage, aber es hat auch unerwünschte Wirkungen.

Trotzdem hätten wir uns immer wieder genauso entschieden.
Denn das wichtigste war, das Aufbauen von Selbstvertrauen, dafür brauchte meine Tochter das Medikment, weil sie nur dadurch wirklich erfahren hat, wie viel mühseliger das Leben für sie ist, als für Menschen ohne Reizfilterschwäche.
Durch die gut eingestellte Medikation war sie die der Wahrnehmung neurotypischer Menschen sehr nahe und erlebte, wie einfach viele Dinge gelingen konnten, für die sie immer kämpfen musste .
Und diese Erfahrung war wichtig.
Nichts anderes hätte ihr Selbstwertgefühl so stärken können.

Ihr Selbsbewußtsein ist nun so gewachsen und nun so gefestigt, dass sie es ohne Medikamente schaffen will.
Sie muß aber nicht, sollte der Druck von außen sie wieder überfordern.


euch ganz viel Kraft und Muße für eure Entscheidungen,
lag von Maca
Rabaukenmama
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Re: Atypischer Autismus? Erfahrungen gesucht!

Beitrag von Rabaukenmama »

Maca hat geschrieben: Also aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass man wirklich genau abwägen sollte,
MPH wirkt bei einer richtig diagnostizierten ADS, keine Frage, aber es hat auch unerwünschte Wirkungen.

Trotzdem hätten wir uns immer wieder genauso entschieden.
Denn das wichtigste war, das Aufbauen von Selbstvertrauen, dafür brauchte meine Tochter das Medikment, weil sie nur dadurch wirklich erfahren hat, wie viel mühseliger das Leben für sie ist, als für Menschen ohne Reizfilterschwäche.
Durch die gut eingestellte Medikation war sie die der Wahrnehmung neurotypischer Menschen sehr nahe und erlebte, wie einfach viele Dinge gelingen konnten, für die sie immer kämpfen musste .
Und diese Erfahrung war wichtig.
Nichts anderes hätte ihr Selbstwertgefühl so stärken können.

Ihr Selbsbewußtsein ist nun so gewachsen und nun so gefestigt, dass sie es ohne Medikamente schaffen will.
Sie muß aber nicht, sollte der Druck von außen sie wieder überfordern.


euch ganz viel Kraft und Muße für eure Entscheidungen,
lag von Maca
Maca, sehr interessant, was du davon schreibst, wie deine Tochter die Wirkung der Medikamente erlebt hat. Es erinnert mich sehr an das Gespräch mit der erwachsenen ADHS-Frau, das ich vor ein paar Wochen hatte. Auch sie beschrieb es als AHA-Erlebnis, am eigenen Körper zu spüren, wie einfach viele Dinge gelingen konnten, und daraus einen Eindruck zu gewinnen, wie sehr sie bis dahin durch die ADHS beeinträchtigt gewesen war. Und das zweite AHA-Erlebnis war dann, dass sie diesen Zustand auch nach absetzen der Medikamente meistens erreichen konnte, einfach durch das Wissen, dass er möglich ist!

Auch euch alles Gute und ich würde mich freuen, wenn du weiter berichtest, wie es deiner Tochter geht :) .
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Rabaukenmama
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Re: Atypischer Autismus? Erfahrungen gesucht!

Beitrag von Rabaukenmama »

Heute war ich mit meinem älteren Sohn bei einer KJP zur Abklärung von ASS. Es war eine ganze Testserie, darunter der ADOS 2. Nebenbei hat die KJP immer wieder Aussagen und Redewendungen, sowie Verhaltensbeobachtungen von meinem Sohn notiert. Das hat in Summe knapp 3 Stunden gedauert.

Bei einigen Tests war mein Sohn deutlich besser als Gleichaltrige. Dazu zählten symetrische Muster ergänzen, aber auch Bildgeschichten aus 3-6 Bildern in die richtige Reihenfolge bringen und dann erzählen. Was deutlich unterdurchschnittlich war, war die Konzentration. Bei einem PC-Test sollte er zuerst farbige Tasten drücken, wenn Fische in der Farbe am Bildschirm erscheinen. Das klappte gut. Dann sollte er andere Tasten drücken, wenn Frösche hoch oder tief quakten. Auch das war okay. Aber als die Tests kombiniert wurden und er sich nicht ENTWEDER auf die Frösche oder die Fische konzentrieren konnte, war es zu viel für meinen Sohn. Nach dem Test sollte er sich selbst einschätzen. Während er sich bei einem anderen Test (wo es um das merken einer Reihenfolge ging) selbst überschätzt hat, war ihm beim Frösche-Fische-Test klar, dass er "nicht gut" gewesen war. Seine Erklärung "Das alles zusammen war mir zu viel, daher habe ich mich nur auf die Frösche und die weißen Fische konzentriert!".

Von seiner Stimmung her war es ein mittelschlechter Tag. Er war am Anfang ziemlich frustriert, weil die KJP mir einige Fragen gestellt hat und hat sich dann zu Wort gemeldet "Ich dachte, hier soll getestet werden, was ICH kann - und jetzt redest du (die KJP) nur mit der Mama! Auch so kurze Frust-Anfälle, wo er sich selbst mit den Händen gegen den Kopf schlägt, waren dabei. DAs wurde dann im Laufe der Tests besser,, auch wenn er immer wieder Aufmerksamkeit wollte, wenn die KJP sich - seiner Ansicht nach - zu viel mit mir beschäftigt hat.

Das Abschlussgespräch war leider kurz, weil nur wenig Zeit war. Aber die KJP meinte, sie sei sich schon vor Auswertung der Testergebnisse ziemlich sicher, dass mein Sohn ein hochfunktionaler Asperger-Autist ist. In den nächsten 2-3 Wochen soll dann der schriftliche Befund fertig sein. So hat sich meine Vermutung doch bestätigt. Von ADHS war nie die Rede und ich habe das Gespräch auch nicht dorthin gelenkt. Kurz meinte die KJP dann noch, dass es einige gute Programme für diese Form von Autismus gäbe - ich bin mal gespannt.

Das wären die Neuigkeiten von uns, ich werde berichten, wie es weiter geht.
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Re: Atypischer Autismus? Erfahrungen gesucht!

Beitrag von unwissende-neu »

oh, dass ging ja schnell mit der Diagnose. Die Therapien interessieren mich natürlich auch brennend. - Nicht weil ich glaube, dass ich hier einen Aspie habe, sondern weil ich denke, dass ADS und AS nicht ganz so weit von einander entfernt sind. Ich habe da so meine eigene nicht-wissentschaftliche Theorie ;)

Morgen antworte ich nochmal ausführlicher, dazu bin ich heute irgendwie zu KO.

Aber ich freue mich für euch, dass es nun erstmal wieder weiter geht und etwas ins Rollen kommt. - Ich drücke euch ganz fest die Daumen.....
Maca
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Re: Atypischer Autismus? Erfahrungen gesucht!

Beitrag von Maca »

@rabaukenmama,
Hui, das kam jetzt doch recht schnell und eindeutig, oder?
Wenn schon vor der Testauswertung von professionellen Ärzten eine Tendenz verkündet wird,
dann sind sie sich wirklich sicher.

Bei meinem Sohn war es im Vorfeld nicht so eindeutig.
Die Ärztin meinte damals, vor Testauswertung, dass es für eine Diagnose aus dem Bereich der Autismus- Spektrum -Störung vom Symptomlevel vermutlich nicht reichen würde.
Er hat dann aber, nach Auswertung aller Erhebungsverfahren, doch die Diagnose erhalten.
Halt auf einem sehr niedrigen Ausprägungsniveau.
Seine Konzentration war auch nicht berauschend und wurde im Arztbericht als "individuelle Schwäche" vermerkt, ADS wurde aber explizit ausgeschlossen.

Alles gute für euer Auswertungsgespräch!
(Ich weiß noch, dass ich nach der Diagnose meiner Tochter erstmal so unglaublich erleichtert war)

Lg von Maca
Rabaukenmama
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Re: Atypischer Autismus? Erfahrungen gesucht!

Beitrag von Rabaukenmama »

Maca hat geschrieben:@rabaukenmama,
Hui, das kam jetzt doch recht schnell und eindeutig, oder?
Wenn schon vor der Testauswertung von professionellen Ärzten eine Tendenz verkündet wird,
dann sind sie sich wirklich sicher.

Bei meinem Sohn war es im Vorfeld nicht so eindeutig.
Die Ärztin meinte damals, vor Testauswertung, dass es für eine Diagnose aus dem Bereich der Autismus- Spektrum -Störung vom Symptomlevel vermutlich nicht reichen würde.
Er hat dann aber, nach Auswertung aller Erhebungsverfahren, doch die Diagnose erhalten.
Halt auf einem sehr niedrigen Ausprägungsniveau.
Seine Konzentration war auch nicht berauschend und wurde im Arztbericht als "individuelle Schwäche" vermerkt, ADS wurde aber explizit ausgeschlossen.

Alles gute für euer Auswertungsgespräch!
(Ich weiß noch, dass ich nach der Diagnose meiner Tochter erstmal so unglaublich erleichtert war)

Lg von Maca
Hallo Maca,

ja, die KJP war sich nach den 3 Stunden ziemlich sicher. Das sie mir von der anderen KJP ausdrücklich für die Diagnostik von ASS empfohlen wurde, glaube ich auch, dass sie genügend Erfahrung hat, das zu beurteilen.

Aber ich habe mir so was ähnliches auch schon gedacht. Ich glaube der Buchtipp "Autismus als Kontextblindheit" kam ja auch von Dir, Maca, oder? Da habe ich gaaaaanz oft meinen älteren Sohn wieder gefunden. Und heute hatte ich ein gutes Telefonat mit meiner Cousine, die ja Sonderschulpädagogin ist, und auch mit Autisten arbeitet. Sie hat mir einiges von ihren Schülern und deren Verhalten und Schwierigkeiten erzählt, wo ich auch sehr oft Ähnlichkeiten mit meinem Sohn gefunden habe.

Ja, irgendwie ist es erleichernd. Die Probleme sind ja nicht von heute auf morgen da, sondern haben sich (vermutlich wie bei euch) über Jahre aufgebaut. Da war ich immer versucht, entweder mir selbst oder irgendwelchen Umständen die "Schuld" zu geben, wenn mein Sohn mal wieder komplett unangemessen agiert/reagiert hat. Und in besseren Phasen dachte ich dann, ich würde das alles viel zu verbissen sehen, und müsse einfach lockerer rangehen. Schließlich entwickelt sich nicht jedes Kind gleich gut und schnell und wo viel Licht ist muß natürlich auch Schatten sein. Aber das erste Schuljahr hat mir doch deutlich gezeigt, dass mein Sohn mit vielen Dingen, die Gleichaltrige selbstverständlich schaffen, einfach überfordert ist.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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