Re: Erfahrungsaustausch,erst schule dann dagegen
Verfasst: Mo 1. Feb 2010, 13:08
Hallo Alibaba,
aus den Augen von uns Erwachsenen wirken kleinere Kinder zuweilen sprunghaft. Bei näherem Betrachten liegt zumeist ein emotionales Problem zugrunde, das die Kinder aber nicht so leicht in Worte kleiden können (*Link*). Also heißt es lapidar "das Kind bockt eben." Nach meiner Erfahrung liegt die Hemmung bei eigentlich selbst gewollten Zielen aber nicht an "Launen", sondern an negativen Gefühlen wie Angst oder Unsicherheit gegenüber unbekannten Rahmenbedingungen. Bei nicht selbst gewollten Tätigkeiten liegen natürlich andere Mechanismen zugrunde, wobei gerade bei Jungs zuweilen die Machtposition angetestet wird. Das strategische Denken unter Einbeziehung des langfristigen Vorteils einer bestandenen Aufgabe reift erst so richtig nach der Pubertät heran. Vorher entfachen Kinder besonders dann viel Energie, wenn unmittelbar eine Belobigung winkt. In dieser Hinsicht reagieren Vierjährige nicht anders als Sechsjährige. Was sicherlich unterschiedlich sein kann, ist das Ausdrücken der Ängste und sonstigen Gefühle, sofern dies nicht bewusst trainiert wird. Gerade wenn jüngere Kinder in die Schule wollen, ist es wichtig, dass sie ihre Bedenken und Unsicherheiten möglichst gut formulieren lernen. Wenn kein erwachsener "Übersetzer" gebraucht wird, kann sich eine empathisch denkende Lehrperson durchaus auch auf ein jüngeres Kind einstellen.
In Töchterleins Klasse gab es damals mehrere jüngere Kinder, die unter den Augen einer HB-erfahrenen Lehrerin zusammengefasst wurden. So war weder das Gefühl des "Anders-Seins", noch die besonderen Bedürfnisse an die emotionale Zuwendung an die jungen Kinder ein Problem. Alle früher eingeschulten Kinder sind mittlerweile sehr gute Schüler in der Mittelstufe weiterführender Schulen. Das vorzeitige Einschulen hatte diesen Kindern ganz offensichlich weder etwas weggenommen, noch in der späteren Folge ein Problem beschert. Vielmehr wird deutlich, dass diese Entscheidung für alle Kinder, die ich gelegentlich sehe, eine durchweg positive Wirkung auf das Wohlbefinden nach sich zog.
In unserem speziellen Fall waren alle Ängste und Zweifel auf allen Seiten - auch beim Kind selbst - nach dem ersten Schultag verflogen. Stell dir einfach 110 Zentimeter aufgestapeltes Selbstbewusstsein vor... Sie WOLLTE alle ihre Schulaufgaben selbst erledigen. Sie empfand pure Freude dabei. Es gab einfach kein "ich will das nicht", weil der Spaßfakor durch die Smilies und lobenden Worte bei weitem überwog. Offensichtlich war es nicht schwer, jene Kinder zu motivieren, die selbst zur Schule wollten - anstatt zu müssen... Somit wäre es natürlich ein Unding, wenn gerade jüngere Kinder durch die Eltern zur Schule gedrängt werden würden. Bei bestehender Schulpflicht und wachsender Unterforderung ist dies aber dann doch der Fall. Bei unserem Kind könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sie bei regulärer Einschulung ein Fall für den zweiten Bildungsweg geworden wäre - eben nach der Pubertät, weil für sie Unterforderung nur eine sehr schwer zu ertragende Last bedeutete, die auch beim besten Willen oder größtem Druck nicht von den Eltern durch die Schulzeit getragen werden kann. Da Kinder im Grundschulalter eben nicht durch strategisches Denken über ihren Emotionen stehen können, wirkt Frust durch Unterforderung als sehr starke Motivationsbremse.
Du siehst: Die Entscheidung für frühere Einschulung bedingt eine sehr individuelle Abwägung. Deine Haltung einer generellen Ablehnung kann ich somit nicht richtig nachvollziehen, sondern beziehe deine Meinung hinsichtlich der Verweigerungshaltung lediglich auf deine eigenen Kinder und deren Neigung, ab und zu eine Machtprobe gegenüber deinem - nach deinen eigenen Schilderungen - vergleichsweise autoritären Erziehungsstil auszufechten. Hierzu gibt es aber eine Menge Tipps, wie man es vermeiden kann, dass sich ein Kind an seinen Eltern reibt anstatt an seinen Aufgaben. Zumeist wird dabei das Induzieren positiver Gefühle angeraten (*Beispiel*), so wie es ein guter Pädagoge auch machen würde. Zwar kommt es - nicht nur in der Grundschule - zu einem gewichtigen Teil auf das Gemüt der Lehrperson an, aber ich wage mittlerweile zu bezweifeln, dass es gerade am Anfang der Gundschule auf ein "Setzen - Sechs!" herauslaufen würde, wie du es wohl befürchtest.
Viele Grüße von
Neckri
aus den Augen von uns Erwachsenen wirken kleinere Kinder zuweilen sprunghaft. Bei näherem Betrachten liegt zumeist ein emotionales Problem zugrunde, das die Kinder aber nicht so leicht in Worte kleiden können (*Link*). Also heißt es lapidar "das Kind bockt eben." Nach meiner Erfahrung liegt die Hemmung bei eigentlich selbst gewollten Zielen aber nicht an "Launen", sondern an negativen Gefühlen wie Angst oder Unsicherheit gegenüber unbekannten Rahmenbedingungen. Bei nicht selbst gewollten Tätigkeiten liegen natürlich andere Mechanismen zugrunde, wobei gerade bei Jungs zuweilen die Machtposition angetestet wird. Das strategische Denken unter Einbeziehung des langfristigen Vorteils einer bestandenen Aufgabe reift erst so richtig nach der Pubertät heran. Vorher entfachen Kinder besonders dann viel Energie, wenn unmittelbar eine Belobigung winkt. In dieser Hinsicht reagieren Vierjährige nicht anders als Sechsjährige. Was sicherlich unterschiedlich sein kann, ist das Ausdrücken der Ängste und sonstigen Gefühle, sofern dies nicht bewusst trainiert wird. Gerade wenn jüngere Kinder in die Schule wollen, ist es wichtig, dass sie ihre Bedenken und Unsicherheiten möglichst gut formulieren lernen. Wenn kein erwachsener "Übersetzer" gebraucht wird, kann sich eine empathisch denkende Lehrperson durchaus auch auf ein jüngeres Kind einstellen.
In Töchterleins Klasse gab es damals mehrere jüngere Kinder, die unter den Augen einer HB-erfahrenen Lehrerin zusammengefasst wurden. So war weder das Gefühl des "Anders-Seins", noch die besonderen Bedürfnisse an die emotionale Zuwendung an die jungen Kinder ein Problem. Alle früher eingeschulten Kinder sind mittlerweile sehr gute Schüler in der Mittelstufe weiterführender Schulen. Das vorzeitige Einschulen hatte diesen Kindern ganz offensichlich weder etwas weggenommen, noch in der späteren Folge ein Problem beschert. Vielmehr wird deutlich, dass diese Entscheidung für alle Kinder, die ich gelegentlich sehe, eine durchweg positive Wirkung auf das Wohlbefinden nach sich zog.
In unserem speziellen Fall waren alle Ängste und Zweifel auf allen Seiten - auch beim Kind selbst - nach dem ersten Schultag verflogen. Stell dir einfach 110 Zentimeter aufgestapeltes Selbstbewusstsein vor... Sie WOLLTE alle ihre Schulaufgaben selbst erledigen. Sie empfand pure Freude dabei. Es gab einfach kein "ich will das nicht", weil der Spaßfakor durch die Smilies und lobenden Worte bei weitem überwog. Offensichtlich war es nicht schwer, jene Kinder zu motivieren, die selbst zur Schule wollten - anstatt zu müssen... Somit wäre es natürlich ein Unding, wenn gerade jüngere Kinder durch die Eltern zur Schule gedrängt werden würden. Bei bestehender Schulpflicht und wachsender Unterforderung ist dies aber dann doch der Fall. Bei unserem Kind könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sie bei regulärer Einschulung ein Fall für den zweiten Bildungsweg geworden wäre - eben nach der Pubertät, weil für sie Unterforderung nur eine sehr schwer zu ertragende Last bedeutete, die auch beim besten Willen oder größtem Druck nicht von den Eltern durch die Schulzeit getragen werden kann. Da Kinder im Grundschulalter eben nicht durch strategisches Denken über ihren Emotionen stehen können, wirkt Frust durch Unterforderung als sehr starke Motivationsbremse.
Du siehst: Die Entscheidung für frühere Einschulung bedingt eine sehr individuelle Abwägung. Deine Haltung einer generellen Ablehnung kann ich somit nicht richtig nachvollziehen, sondern beziehe deine Meinung hinsichtlich der Verweigerungshaltung lediglich auf deine eigenen Kinder und deren Neigung, ab und zu eine Machtprobe gegenüber deinem - nach deinen eigenen Schilderungen - vergleichsweise autoritären Erziehungsstil auszufechten. Hierzu gibt es aber eine Menge Tipps, wie man es vermeiden kann, dass sich ein Kind an seinen Eltern reibt anstatt an seinen Aufgaben. Zumeist wird dabei das Induzieren positiver Gefühle angeraten (*Beispiel*), so wie es ein guter Pädagoge auch machen würde. Zwar kommt es - nicht nur in der Grundschule - zu einem gewichtigen Teil auf das Gemüt der Lehrperson an, aber ich wage mittlerweile zu bezweifeln, dass es gerade am Anfang der Gundschule auf ein "Setzen - Sechs!" herauslaufen würde, wie du es wohl befürchtest.
Viele Grüße von
Neckri