Yupamil hat geschrieben:Ich weiß jetzt nicht genau, auf was du hinaus willst. Ich bin sicher kein Mensch, der auf den Schwächen meiner Kinder herumreitet. Aber ich möchte mein Kind unterstützen.
Oje, dann habe ich wahrscheinlich das, was ich sagen wollte, total falsch rübergebracht. Tut mir wirklich leid

! Bin leider nicht immer geschickt darin so zu schreiben, dass andere verstehen was ich meine.
Yupamil hat geschrieben:Du hast dich ja auch entschieden, deinem Kind ein Cochlea-Implantat einsetzen zu lassen, weil du glaubst, dass es dadurch mehr Chancen hat.
Nein, bei mir war der Prozess, mich für das Implantet zu entscheiden, sehr lang und gar nicht einfach. Ich habe fast ein Jahr zur Entscheidung gebraucht. Nach dieser Zeit war ich auf dem Punkt angelangt dass mein kleiner Sohn die CIs NICHT braucht. Erst danach konnte ich mich FÜR die Operation entschließen, weil ich sie als ZUSÄTZLICHE CHANCE gesehen habe, nicht aber als EINZIGE Chance oder absolute Notwendigkeit.
Das bedeutet für mich einen anderen Weg, als denjenigen, den die meisten Eltern von CI-Kindern gehen. Denn die tun alles dafür, dass das Kind SPRECHEN lernt, unabhängig davon, ob das Kind dazu überhaupt imstande bzw. bereit ist. Dafür müssen sie aber mit der Technik der Teile, der Wartung, dem Aufwand für Eltern und Kind (Audiogramme, Nachstellung der Lautstärke, Logopädie, Frühförderung,...) sowie der Bürokratie (Versicherung, Nachbesorgung defekter oder verlorener Teile,...) zurechtkommen.
Die Alternative wäre, auf die CIs zu verzichten und statt dessen ÖGS zu lernen, dem Kind ein aufwachsen mit ÖGS zu ermöglichen (Kindergarten, Freundeskreis) und das Kind im ständigen Kontakt mit der Gehörlosengemeinschaft bestmöglich zu unterstützen.
Ich habe mit für BEIDE Wege entschieden, was bedeutet, dass ich auch den doppelten Aufwand habe. Was davon (ÖGS oder die CIs) meinem Sohn mehr Chancen gibt wird sich erst herausstellen. Da es Phasen gibt, wo er das tragen der CIs komplett verweigert, bin ich aber jetzt schon froh, auch auf Gebärdensprache zurückgreifen zu können und nicht gleich in Panik verfallen zu müssen wenn er die Teile mal eine paar Tage (oder auch Wochen) nicht zu tragen bereit ist.
Yupamil hat geschrieben:
Mein Sohn hat zwar keine körperliche Behinderung, aber er kann - warum auch immer - visuelle Wahrnehmungen nur schlecht verarbeiten. Er trägt, seit er 2 ist, eine Brille, doch offensichtlich reichte diese nicht aus, um seine Sehverarbeitung gut zu entwickeln. Vielleicht hat diese Wahrnehmungsverarbeitunsstörung aber auch gar nichts mit seiner Fehlsichtigkeit zu tun.
Meine Motivation, hier in diesem Forum zu schreiben war, dass ich hoffte, Eltern mit ähnlichen Problemen zu finden, die ihre Erfahrungen mit unterschiedlichen Fördermöglichkeiten mit mir teilen.
Was ich in meinen vorigen Beitragen rüberbringen wollte ist folgendes: ich sehe dich als sehr engagierte Mutter, die bereit ist, so lange zu suchen, bis sie die passenden (Förder)Wege für ihren Sohn gefunden hat. MEHR kannst Du nicht tun. Es kam wahrscheinlich so rüber dass ich deine Sorgen als nicht berechtigt ansehe. Das ist aber nicht so.
Wenn du das tust, was du für den besten Weg ansiehst (und bereit bist, was anderes zu suchen, falls das nicht den gewünschten Erfolg bringen sollte) dann hilft es niemanden, sich noch ZUSÄTZLICH Sorgen zu machen wie der Weg deines Kindes in einem oder auch 10 Jahren aussehen wird. Du tust, was du kannst und bist bereit, das weiter zu tun. Dein Sohn entwickelt sich vorwärts und wird mit zunehmenden Alter und der Förderung, die du ihm zukommen lässt, seine Schwächen hoffentlich (zumindest teilweise) ausmerzen können. Und für das, was dann noch "übrigbleibt" wird er auch Wege des Umganges finden, sofern er Menschen hat die an IHN glauben.
Ich wollte Dich ermutigen, deinen Sohn nicht auf dem Entwicklungsstand, wo er jetzt, als 7jähriger steht, an seinem letzten Schultag zu sehen. Es sollte eine Erleichterung sein, zu erkennen, dass es nicht Deine Aufgabe ist, seine Probleme für ihn aus dem Weg zu räumen (dabei UNTERSTÜTZEN, sie selbst zu bewältigen, tust du ihn ohnehin) sondern dass Du Deinem Sohn mit positivem Rückhalt AUSSERDEM helfen kannst - so wie ich für meinen Sohn als Weg SOWOHL die CIs als auch die Gebärdensprache gewählt habe. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es erleichternd ist, sich nicht auf das "funktionieren" eines Weges verlassen zu müssen.
Yupamil hat geschrieben:
Nachdem ich etwas mehr hier gelesen habe, sehe ich, dass in diesem Forum fast nur Eltern von rein hochbegabten Kindern sind. Insofern passen wir wohl nicht wirklich her.lg
Ich weiß gar nicht ob mein älterer Sohn (wegen dem ich hier beigetreten bin) wirklich hochbegabt ist. Laut Entwicklungsdiagnostik ist er seinen Altersgenossen in allen Punkten voraus, aber einen IQ-Wert habe ich keinen und ich habe auch nicht vor, demnächst testen zu lassen, weil es mit nicht so wichtig ist, den Zahlenwert zu kennen.
Der Kleine ist lt. Kuno Bellers Entwicklungstabelle ziemlich genau auf dem Stand seines Alters, also eher nicht hochbegabt. Aber der wird sich mit seinem Sturschädel durchsetzen

.
Abgesehen davon gibt es bei vielen klugen oder hochbegabten Kindern Teilleistungsschwächen, du bist hier damit sicher nicht allein.