Carrie1 hat geschrieben:Durch den Entwicklungsvorsprung unseres Sohnes haben wir schon so viele fiese Sachen erlebt,Aussagen anderer Mütter. Mir wurde z.B unterstellt ich hätte die Gesichter auf der Laterne meines Sohnes mit Absicht so krakelig gemalt, damit es so aussieht als ob er es könnte. Dabei hat er sie gemalt. Ständig kamen solche Sprüche, jetzt mit dem Egebnis hab ich wahrscheinlich Angst das er zum Aussenseiter wird wenn das rauskommt.
Fiese Sachen erlebt man als Mutter immer wieder. Ich fand es z.B. fies dass etliche der anderen Mütter, mit denen ich als mein Großer klein war intensiven Kontakt hatte (über Internet, Telefon, gegenseitiges besuchen,...) plötzlich nichts mehr von mir wissen wollten als herauskam, dass mein Kleiner gehörlos ist. Ich habe versucht, den Kontakt weiter zu erhalten, aber plötzlich kamen nur noch Ausreden wegen "keine Zeit" obwohl sie genug Zeit hatten, mit anderen Kontakt zu halten und diese zu treffen.
Damals fand ich es - wie gesagt - fies, heute weiß ich das es hauptsächlich die Unfähigkeit dieser Mütter war, mit etwas umzugehen, was nicht "normal" ist. Hatte weder mit mir noch mit meinem kleinen Sohn was zu tun. Der war damals ohnehin erst ein paar Monate alt und es war noch keinerlei Unterschied zu hörenden, gleichaltrigen Kindern bemerkbar.
Und ja, ein paar Neider gibt es natürlich auch. Aber nicht so viele und vor allem sind das (zumindest bei mir) nicht die Menschen, die ich mir als Freunde wünsche bzw. deren Kinder ich gerne als Freunde für meinen Sohn hätte. Neulich bemerkte eine andere Mutter im Kindergarten dass mein Sohn schon lesen kann. Sofort fragte sie ihn "Hat Dir das die Mama beigebracht?" (Dann kommt sie gleich in die Schulade der Eislaufmütter

) und mein Sohn antwortete ganz cool "Nein, das hat sich mein Kopf selbst beigebracht"

.
Carrie1 hat geschrieben:Angst vor größeren Verhaltensauffälligkeiten wenn nicht genau geschaut wird. Angst vor zu wenig Förderung und die daraus entstehenden Folgen.
Warum glaubst du wird ein Kind verhaltensauffällig? Allein deshalb, weil es Erwachsene gibt, die nicht erkennen oder wahrhaben wollen dass es dieses oder jenes schon kann/weiß? Nein, Gott sei Dank sind unsere Kinder viel, viel stärker und resilienter als wir es für möglich halten. Auch durchschnittlich begabte Kinder werden immer wieder unterschätzt oder vorschnell in irgendwelche Schubladen gesteckt - und können damit recht gut leben. Und allein auf Grund von Hochbegabung ist niemand verhaltensauffällig. Das ist eine ganz andere "Baustelle".
Was sind die Folgen von zu wenig Förderung und vor allem: wie schaut zu wenig Förderung aus? Wenn ein kluges Kind nicht täglich stundenlang ohne jegliche Anregung allein in einen engen Raum eingesperrt ist (Schule mal ausgenommen

) dann wird es selbst Möglichkeiten finden, sich zu beschäftigen. Und zwar nicht "irgendwie" sondern genau die Dinge, die es gerade "braucht".
Ich habe als Kind etliche Stunden damit verbracht, meine Briefmarkensammlung zu sortieren und habe nebenbei alle Anlässe, aus denen österreichische Briefmarken herausgebracht wurden, die Werte, das Erscheinungsjahr und die Motive auswendig gelernt. Nicht gerade etwas, was Prestige bei Lehrern oder Anerkennung bei Mitschülern einbringt, aber "Futter" für mein Hirn

. Und so wird jedes hochbegabte Kind, das man einfach nur "machen lässt" sich anregende Beschäftigungen finden.
Das soll natürlich nicht heißen dass es keine andere Förderung als das, was sich das Kind selbst aussucht, geben soll oder darf. Aber es ist mMn wichtig, den Tagesplan des Kindes nicht so mit Förderungsmaßnahmen zuzupflastern, dass es keine Zeit mehr für Dinge hat, die es aus eigenem Antrieb tun möchte. Jetzt, im Kleinkindalter, ist das noch leicht, aber wenn ich das lese, was die Eltern von (klugen) Schulkindern hier schreiben, fürchte ich, dass es nicht so bleiben wird.
Aber da mache ich mir dann Gedanken, wenn es so weit ist. Ich habe das Glück dass im Kindergarten meines Großen viele Kurse angeboten werden und dass wir nicht ständig rumtingeln müssen damit er etwas Abwechslung hat. Bin ohnehin genug mit dem Kleinen unterwegs, wo es nicht so einfach ist

.
Carrie1 hat geschrieben:Ihr als "Profis" denkt bestimmt ich spinne

Aber es sind tausend Gedanken in meinem Kopf. Aber es hilft mir sehr dass ich mich hier austauschen kann, andere Sichtweisen kennenlerne! Vielen Dank dafür
Niemand hier ist mehr oder weniger Profi als du

. Ich kam auch mal hierher weil die IKEA-Kinderbetreuerin ganz aus dem Häuschen war was mein damals 3jähriger Sohn schon alles kann und weiß und ich zum x-ten Mal hörte, dass müsse man "unbedingt" fördern. Und dann haben mich die anderen hier langsam aber sicher und großteils liebevoll wieder "runtergeholt"

.
Immer wieder kommen Ängste hoch, vor allem was die Schule für den Kleinen betrifft. Was jetzt? Sonderschullehrplan in Gebärdensprache und totale Unterforderung oder normaler Lehrplan in Lautsprache und er bekommt null mit? Beides keine von mir gewünschten Optionen. Da komme ich dann immer wieder an den Punkt dass bis zu Einschulung des Kleinen noch knappe 3 Jahre vergehen werden und ich gar nicht wissen kann, wie er sich persönlich und wie sich unser Schulsystem in der Zeit weiterentwickelt. Dann, wenn es soweit ist, werde ich die bestmögliche Lösung finden. Und bis dahin lasse ich mich in den Stunden, wo ich am grübeln bin, von den netten Menschen hier wieder "aufbauen"

!