Koschka hat geschrieben:Kennt ihr die "Hidden figures"?
https://www.imdb.com/title/tt4846340/?ref_=fn_al_tt_1
Ich fand den Film Klasse. Er macht Mut gegen die Anpassung zu leben. Auch wenn es oft Ärger bedeutet. Und er zeigt, dass Frauen in der Mathematik und im Programmieren durchaus was zu sagen haben. Alles ganz lebendig erzählt, ohne unnötig zu moralisieren.
Hm, also besonders angepasst leben wir schonmal nicht, allein unsere Familienkonstellation ist etwas ungewöhnlich.
Ich selbst hatte schon immer einen eigenen Kopf, galt schon als Kind als eigensinnig.
Die Große passt sich im Schulalltag zwar an und mag ungern auffallen, ist aber nicht unbedingt insgesamt als Persönlichkeit "stromlinienförmig". Sie setzt ihren Willen zwar eher "leise", aber immer äußerst konsequent um.
Ich schrieb hier sicher auch schon davon - in Klasse eins und zwei hat sie z.B. als Junge gelebt, Frisur und Kleidung entsprechend gewählt, sich sogar an jungenhafter Körpersprache versucht und wer sie nicht kannte, bekam einen Jungennamen genannt.
Sie war auch echt überzeugend in der Rolle, also selbst Leute, die sie vom Kindergarten her kannten, hatten Mühe, sie wiederzuerkennen.
Sie selbst nannte als Grund übrigens, dass sie das Gefühl hat, als Mädchen weniger ernst genommen zu werden, außerdem konnte sie zu der Zeit mit den anderen Mädchen nicht wirklich was anfangen.
Koschka hat geschrieben:
Das Wissen über den IQ wird jetzt das Kind auf eine bestimmte Schiene schieben, was du auch bei dieser Entscheidung über die Medienzeit zeigst. Mach ihr einfach Mut Sachen auszuprobieren, die ihr Spaß machen, ob sie kopflastig sind oder nicht, ist dabei vollkommen irrelevant. Es muss auch nicht gründlich und ordentlich sein. Auch beim Instrument kann man sich jetzt noch die Frage stellen, spielt das Kind das was es will oder würde es lieber etwas nehmen was nicht zum klassischen Weg gehört, dafür aber viel mehr Spaß macht?
Wird dieser Test eure Entscheidung bezüglich der weiterführenden Schule beeinflussen?
LG
Koschka
Als Instrument hat sie das Saxophon gewählt, als es hieß, sie sei dafür mit 6 Jahren zu jung und sollte evtl erstmal mit Flöte beginnen, sagte sie "Das oder gar kein Instrument!" (Und hat sich damit durchgesetzt)
Klavier als Zweitinstrument wollte sie dann noch ein Jahr später dazu, weil ihr Cousin und Cousinen das beide (ebenfalls als Zweitinstrument) spielen.
Da hat sie mehrere Monate immer wieder danach gefragt. (Ich selbst musste als Alleinerziehende und Alleinverdienerin erstmal schauen, ob wir uns das überhaupt leisten könne, letzten Endes haben es dann die Großeltern finanziert)
Leider hat die Klavierlehrerin in den 2 Jahren zu ihr keinen Draht gefunden, u.a. deswegen hat sie glaube ich bald schon auch die Lust daran verloren. (Es ist aber tatsächlich auch etwas schwierig, meine Tochter "zu knacken" und einen Zugang zu ihr zu finden)
Und natürlich auch, weil das Üben Arbeit macht.
Koschka hat geschrieben:Das mit der Medienzeit ist eine ziemlich irrationale Entscheidung

Nicht das ich was gegen Medienzeit hätte... Du und deine Tochter scheinen mindestens einen Punkt gemeinsam zu haben: ihr macht über alles viele Gedanken, und manchmal ist es vielleicht einer zu viel. Viele Gedanken setzten gewisse Erwartungen voraus, die auch einen erheblichen Druck erzeugen. Dieser Druck kann durch spontane Entscheidungen genommen werden. Der Prozess soll Spaß machen nicht der Weg, und Gemeinschaft ist wichtig, nicht das Ergebnis.
LG
Koschka
Beim Computer habe ich die Sorge, dass sie sich irgendwann ZU sehr darauf konzentriert und andere Interessen darunter leiden, die sie jetzt noch sehr vielfältig hat und auslebt.
Hab ich schon von vielen gehört, dass das so passiert ist.
Ein Tablet (für Minecraft) haben wir übrigens erst seit ca. einem halben Jahr, meinen Laptop haben wir bisher nur fürs DVD Schauen benutzt und eigentlich erst jetzt mit "Scratch" hat sie begonnen, sich damit zu anderweitig zu beschäftigen.
Es ist auch nicht so, dass ich ihr "den Stecker ziehe", wenn die Zeit rum ist, sie darf schon Sachen beenden und lasse mit mir verhandeln. Ich sage ihr rechtzeitig, wenn es langsam genug ist bzw überlasse ich es ihr dann selbst, tatsächlich Schluss zu machen. Das klappt bisher eigentlich auch.
Anfang der Ferien hat sie ein paar Tage mal komplett freie Hand gehabt, da ging es ihr nach mehreren Stunden am Laptop tatsächlich nicht gut, sie hatte Kopf- und Augenschmerzen und meinte dann selbst, dass es zu viel war. (sie hat auch einen leichten Sehfehler und mitunter Augenprobleme, aktuell noch nicht so, dass sie eine Brille braucht, aber in absehbarere Zeit wird das auf sie zukommen, meinte die Augenärztin)
Ich würde auch nochmal Unterschiede machen, ob sie grad programmiert/kreativ arbeitet, oder nur spielt und Youtubefilmchen über Minecraft schaut.
Grad gestern war spontan ein Klassenkamerad da, mit dem sie zusammen Minecraft gespielt bzw gebaut hat. Da gabs dann auch 2 Stunden "extra" drauf.
Ich finde schon,dass man bei einem 9jährigen Kind sowas noch bisschen mit steuern kann und sollte. Es wird nicht mehr all zu lange dauern, dass das schwieriger wird, ich möchte die Zeit jetzt noch nutzen, mit ihr gemeinsam einen gesunden Umgang zu "einzuüben".
Alles in allem wird bei uns im Alltag wirklich wenig restriktiert. Schlafenszeit, Naschen u.ä. - darüber kann sie frei entscheiden. Auch ob sie nach der Schule direkt heim kommt oder in den Hort geht (macht sie eher selten) entscheidet sie schon ein Jahr lang allein. Bisher klappt es auch gut so.
Also ich glaube nicht, dass ich sie zu sehr einschränke. Bzw gehe ich auch davon aus, dass sie, eben weil das so ist, sie meine Empfehlungen/Grenzen auch immer akzeptiert hat und es bisher hier keine Kämpfe um sowas hier gibt.
Also ich bin in der Sache relativ sicher, einen guten Weg zu gehen. Dazu gehört halt auch, die wenigen herrschenden Regeln immer mal wieder zu hinterfragen und zu prüfen, wie eben jetzt grad mal wieder.
Vielleicht ist ja in Zukunft ein Wochenkontingent eine Lösung... Also soundsoviel Stunden, wann sie die nutzt und wie sie die aufteilt egal...?!
Ich glaube, ich werde sie einfach mal selbst fragen, wie sie es möchte.
Koschka hat geschrieben:
Wird dieser Test eure Entscheidung bezüglich der weiterführenden Schule beeinflussen?
LG
Koschka
Darüber denke ich derzeit in der Tat nochmal neu nach. Sehr wahrscheinlich aber nicht.
Erstens, weil Tochter sagt: "Mathematik? Auf keinen Fall!" (das wäre eine Schule mit einer Begabtenförderung)
Und zweitens, weil ich sowohl finanziell in der Schulwahl beschränkt bin, als auch organisatorisch. (ich könnte sie nicht täglich irgendwohin fahren)
Bleibt eigentlich nur das Gymnasium vor Ort, auf dem ich auch war. Das liegt für uns optimal - 10 Minuten Radfahrt und an einem See.
(Tochter mag auch z.B. die Stadt nicht und fühlt sich umgeben von viel Natur am wohlsten. In eventuellen Freistunden könnte sie problemlos an den See gehen, nach der Schule noch mal mit Freunden dort baden etc)
Einziger Nachteil: es ist riesig - 1000 Schüler. Das könnte aber letzten Endes sogar auch ein Vorteil sein, weil es dadurch sicher auch viele zusätzliche Angebote gibt und sie sicherlich auch eher mal noch "Gleichgesinnte" findet.
Steht jetzt noch die Entscheidung aus, ob dort in die "normale" Klasse oder in die Musikklasse. (Schwerpunkt Chor)
Ich war damals in der Musikklasse, obwohl ich auch schon wusste, dass ich nicht für die Musik brenne, sondern mich eher für Kunst/Malen interessierte.
So ist es bei Tochter auch.
Ich habe übrigens inzwischen einen Kreativberuf, betreibe aber nach 25 Jahren Pause nun seit ein paar Jahren auch wieder intensiv Musik und profitiere dabei sehr von meinen Kenntnissen aus der Zeit!
Überhaupt bin ich in den letzten Jahren wieder mehrfach wieder drauf zurück gekommen, was mich schonmal als Jugendliche und Kind mal zeitweise beschäftigt hat.
Darum denke ich, dass die Vielfalt der Erfahrungen wirklich sinnvoll und wichtig ist.
Ich habe mich damals unter den "musischen" Mitschülern äußerst wohl gefühlt und das hört man immer wieder von diesen Klassen. Also dass in der Musikklasse der Zusammenhalt so gut sei. (sie verbringen auch viel Zeit zusammen, Chorlager, Proben etc)
Das finde ich nicht unwichtig, gerade für ein sensibles Kind mit "Eigenheiten". Da denke ich, ist sie unter "den Künstlern" gut aufgehoben.
(wie hatten damals auch durchaus einige "besondere Persönlichkeiten" in der Klasse...)
Letztes Jahr hat das Kind selbst übrigens noch gesagt, es wolle nicht in die Musikklasse, da wollte sie in einen naturwissenschaftlichen Zweig, weil sie der Meinung war, dass das ja "was mit Natur" zu tun haben müsste. (das wäre eben jene Schule mit Begabtenzweig und viel Mathematik, die sie jetzt ablehnt)
Inzwischen möchte sie es mit der Musikklasse probieren, sagt sie.
Mehrere der Kinder, mit denen sie sich bisher besonders gut verstand/versteht und zu denen sie einen guten Draht gefunden hat, sind auch genau in diese Klasse gewechselt. Das hat sie sicher u.a. auch nochmal beeinflusst. (und mir auch noch mal gezeigt, dass sie da vermutlich gut reinpassen würde)
Sie hat grad nur noch etwas Sorge um die Aufnahmeprüfung, ich bin aber sicher, dass sie die besteht und eine enge Freundin (Sängerin und Musikpädagoin) könnte sie auch vorbereiten.
Es fehlt vor allem am Mut, vorzusingen.
Aber das packt sie, da bin ich sicher.
Also aktueller Stand vor und nach dem Test: wir/sie probiert es. In Klasse 11/12 kann sie dann sowieso noch mal entscheiden und könnte dann ja immernoch Mathe, Bio etc als Leistungskurs statt Musik-LK machen. (Ich hab damals auch in Klasse 11 Kunst gegen Musik getauscht, inzwischen gibt es die Möglichkeit zu einem Kunst LK hier aber leider nicht mehr)