sinus hat geschrieben:
Dann ist sie schon seit vielen Jahren in der Vorpubertät.
Solche Erlebnisse hatten wir auch schon, als sie 4, 5 Jahre alt war und IMMER war es ihr unangenehm.
Sie scheut einfach jeden Konflikt und potentiell unangenehme Situationen und möchte auch nicht Beobachterin dessen sein.
Sie war auch so ein Kind, was, wenn sich ein anderes Kind weh getan hat, lieber weggegangen ist oder sich versteckt hat, als es aktiv zu trösten oder ihm direkt zu helfen.
Zwar holte sie mitunter erwachsene Hilfe wo nötig, aber zu dem betroffenen Kind hingehen, selbst helfen, trösten, fragen, was los ist, sich beteiligen, wenn die Erzieherin dann dazu kam, wie viele andere Kinder es machten etc - kam ihr niemals nicht in den Sinn. Da hat sie sich lieber irgendwo versteckt. (Ich persönlich glaube aber, dass es eher ein zu viel an Empathie zeigt, als ein zu wenig. Das deckt sich auch mit einer aktuellen Studie des Max-Planck Institutes. Zusammengefast: Schüchterne Kindern sind empathischer, werden aber seltener aktiv, selbstbewusstere Kinder sind weniger empatisch, greifen aber eher helfend ein)
Lange hat sie bspw auf der Straße auch andere nicht gegrüßt, obwohl ich auch da natürlich ein gutes Beispiel agegeben habe und oft sogar Gespräche anfange.
Sie dagegen antwortete auch nicht, wenn sie selbst gegrüßt oder was gefragt wurde.
Das musste ich ihr im Grundschulalter erstmal genau erklären, warum das erwartet wird und wie es wirkt, wenn man das nicht tut.
Da war sie sehr von sich erschrocken, dass sie da offensichtlich was Wichtiges falsch gemacht hat und hat sich von da an zumindest bemüht, auch wenn es ihr immernoch schwer fiel.
Ich glaube nicht, dass sie jemals jemand sein wird, der lautstark protestiert, wenn etwas nicht passt. Sie wird eher im Leisen aktiv werden und heimlich versuchen, was zum Besseren zu ändern.
Aber wir werden sehen. Eine Greta ist auch nicht als die Greta geboren worden, die sie jetzt ist...
Hallo Sinus,
ich glaube wir interpretieren, "ein Vorbild sein" sehr unterschiedlich. Du bist ein Vorbild, auch wenn deine Tochter dich nicht kopiert in ihrem Verhalten.

, auch wenn das schon immer so bei ihr war.
Es ist auch nicht notwendig, dass JEDER laut protestiert, wichtig ist, dass sie selbst nicht unter die Räder kommt, im Versuch sich anzupassen oder wie in ihrem Fall jeder Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Angepasst finde ich das geschilderte von dir nämlich garnicht

. Überangepasst ist für mich eine Person, die sich sozialen Regeln komplett unterordnet, keine eigene Meinung oder keine eigenen Bedürfnisse äußert (sie aber sehr wohl hat), sich immer nach den anderen richtet, nicht stören oder auffallen und um jeden Preis GEfallen will. Am besten allen (was unmöglich ist). So ein Kind scheint mir deine Tochter mal garnicht zu sein. Meine ist das zeitweise schon (gewesen. Ich bestärke sie ständig darin, dass sie mehr von sich zeigt und weniger tut, was andere wollen oder erwarten).
ein normal (und gesund) angepasster Mensch, achtet die sozialen Regeln, ist höflich und rücksichtsvoll, hat aber durchaus seine eigene Meinung und seinen eigenen Kopf und handelt auch danach, wenn es nicht anderen schadet.
Es ist wichtig, dass Mädchen lernen für SICH einzustehen, für ihre Bedürfnisse und sich selbst annehmen und mögen.
Meiner Meinung nach haben Kinder einen vorgegebenen Charakter und mit Erziehung kann man den nicht ändern. Das heißt aber nicht, dass Kinder nicht durch vorleben gewisser Dinge lernen. Manchmal lernen sie, es BEWUSST anders zu machen, manchmal lernen sie daraus, dass sie das für sich und ihr Leben auch wollen und leben es nach. Meiner Meinung nach ist Erziehung weit weniger wichtig für die "Ausformung des Charakters" als immer angenommen. Ich denke wir kommen als Persönlichkeiten mit individuellen Stärken und Schwächen auf die Welt. Eltern können nur mögliche Wege aufzeigen, vorleben,was sie richtig und wichtig finden und die Kinder entscheiden, was sie davon annehmen und was sie ablehnen. Und oft, so stellt sich dann während oder nach der Pupertät heraus, nehmen die Kinder doch sehr viel mehr von den Werten der Eltern an, als man während der aktiven Aufzucht

denkt.
Wenn ich meine Nichte ansehe (15 Jahre), die war ein extrem eigensinniges und manchmal auch unbequemes Kind

. Sie und ihre Mutter sind sich nicht sehr ähnlich, weder äußerlich noch vom Charakter her, da gab es öfter Diskussionen und Auseinandersetzungen (wie bei jeder Mutter mit ihren Kindern) und natürlich kamen und kommen vom Kind da auch Beschwerden und pikiertes Augenrollen (jetzt in der Pupertät), etcpp.. Aber gewisse Werte, die in der Familie groß geschrieben werden, die immer gelebt wurden, lebt sie auch. Und als ich sie mal gefragt habe, wer ihr größtes Vorbild ist, weißt du was sie gesagt hat? "Meine Mutter"...
Was diese Studie angeht: ich stimme da mal überhaupt nicht mit überein. Ein Kind, das hilft und tröstet ist weniger empathisch (zwangsläufig??) als das, dass hilft und tröstet ud das liegt nur daran ob man selbstbewusst oder schüchtern ist?? Ich war ohne Selbstbewusstsein lange Zeit, habe mich aber nie schüchtern gegeben, habe das also versucht nicht zu zeigen. Ich war IMMER hilfsbereit und loyal und SEHR empathisch, habe mich oft für Schwächere eingesetzt, habe die Wahreit gesagt, wenn andere aus Angst den Mund gehalten haben. Dennoch habe ich im Unterricht gekuscht und irgendwann resigniert, hatte in der Grundschule Angst vor Lehrern (auch in der Realschule teilweise noch) und mich dann irgendwann aufgelehnt, habe mich sehr angepasst an meine Peergroup, dann aber eben wieder doch nicht. Ich habe z.B. nicht geraucht, obwohl das die "coolen Kids" alle gemacht haben. Wenn das so einfach wäre---- schüchtern und wenig selbstbewusst=superempathisch, aber hilft nicht/ offen und selbstbewusst= nicht besonders empathisch, aber total hilfsbereit, ---- das wäre schön.