Ich sehe, du hast meine Beiträge nicht gelesen, denn da habe ich auch geschrieben, dass es natürlich sinnvoll ist, sich vorsorglich bei der Schule anzumelden, um die ganzen Fristen einzuhalten. Absagen kann man immer noch und natürlich kannst du deinem Kind die Enttäuschung nicht ersparen, wenn es nicht klappt, weder wenn die Einschulung nicht klappt noch wenn die Enttäuschung nach der Einschulung kommt noch wenn der ganze Verbleib in der 1. Klasse nicht klappt. Das ganze erste Jahr ist ein Experiment und jedes Mal nach den Ferien erlebt das Kind eine Art Krise, in der es sich entscheidet, wie es weitergeht. Wenn du jetzt erwartest, dass dein Kind jetzt himmelhochjauchzend das ganze 1. Jahr zu Schule geht, dann wird die Enttäuschung vorprogrammiert sein.
Aus meiner Erfahrung heraus kann ich nur sagen, dass die schulärztliche Untersuchung nur eine untergeordnete Rolle spielt, weil dort nur die alleruntersten Mindestanforderungen überprüft werden. Nach einem IQ-Test wurde bei uns überhaupt nicht gefragt und das spielt wohl auch in Niedersachsen nur eine Rolle, wenn große Zweifel bestehen. Und dann kann immer noch das Schulamt diese Überprüfung veranlassen. Es ist also nicht nötig, dass sich die Eltern in Eigenregie darum kümmern. Ein Kind muss heute nicht hochbegabt sein, um früher eingeschult zu werden. Das richtige Einschulungsalter liegt zwischen 5 und 7 und wann das soweit ist, erkennt man an ganz anderen Kriterien als am IQ. Deswegen kann auch bei getesteten hochbegabten Kindern durchaus die Empfehlung kommen, diese eben nicht einzuschulen, sondern sie noch ein Jahr im Kindergarten zu lassen, wenn die Erfahrungen im letzten Jahr für die Gesamtentwicklung wichtig sind. Und es kann u. U. besser sein, eine mögliche intellektuelle Unterforderung in Kauf zu nehmen, um dem Kind die Erfahrung der emotionalen oder sozialen Überforderung in der Schule zu ersparen. Wer also so ein bisschen Ahnung von der Materie hat, würde auf keinen Fall so argumentieren, dass das Kind sich im letzten Jahr langweilen würde, weil es schon lesen oder rechnen kann. Das Kind müsste insgesamt unterfordert sein.
Und genau, um das überprüfen zu können, müsste man im Interesse des Kindes eigentlich eine psychologische Untersuchung des Kindes vornehmen. Dass sich deine Tochter im Büro der Direktorin gelangweilt hat, das wäre für mich jetzt kein so gutes Zeichen. Bei uns war es genau umgekehrt. Meine Tochter ist erst richtig aufgeblüht, als sie sich mit der Schulleiterin unterhalten hat. Und die Direktorin hat dann auch gesagt, dass eben dieses ernsthafte Interesse einfach auf eine hohe Eigenmotivation zurückzuführen ist. Sie hat sich quasi selbst beim Chef beworben. Es ist nochmal was anderes, ob man den eigenen Eltern oder den Erzieherin sagt, dass man in die Schule gehen möchte, oder ob man das in der Schule selbst einer fremden Person überzeugend darlegen muss. Die Schulleiterin hat gesagt, sie kann ziemlich viel daraus ablesen, wie die Kinder damit umgehen, wenn sie direkt fragt:"Warum glaubst du, dass du in die Schule gehörst?" Daran kann man übrigens auch oft erkennen, ob die Eltern das wollen oder die Kinder selbst.
Also, frei interpretiert kann man jetzt schon sagen, dass deine Tochter unbedingt noch lernen muss, dass man in der Schule oft Langeweile erleben wird und damit klarkommen muss, dass das niemanden interessiert. Im Unterricht kann sie auch nicht einfach aufstehen und sich im Gebäude umsehen, wenn ihr langweilig ist.

So jetzt mein Fazit: Ich habe es gemacht und bereue es jeden Tag 10 x und dann auch wieder nicht. Es war alles richtig, die befürchteten Probleme sind eingetreten, die Leistungen sind aber totzdem hoch, so dass sie auf jeden Fall ganz normal in die 2. Klasse gehen wird. Manchmal muss man sich einfach damit abfinden, dass manches Kind einfach in gar keine Schublade passt. Du musst einfach sehen, welches Risiko für euch das Größere ist und womit du am besten klar kommst. Ich sage immer noch: Ein IQ-Test hätte mir gar nichts genützt. Was mir aber sehr geholfen hat, war die Aussage der Schulpsychologin, die gesagt hat: Stellen sie sich darauf ein, dass das 1. Jahr kein Spaziergang wird.
Und hütet euch davor, sämtliche Probleme mit Langeweile und Unterforderung erklären zu wollen. Manchmal steckt tatsächlich was anderes dahinter. Wir hatten auch mal das Gefühl, dass unsere Tochter überhaupt nicht mehr hört, wenn man ihr was sagt. Dann hatten wir einen Termin beim Arzt, dann beim HNO-Arzt und es stellte sich heraus, dass sie buchstäblich kaum noch was gehört hat. Sie hatte nach einer Erkältung beide Ohren zu und der Ohrenarzt hat sie wieder freigespült. Danach gings wieder besser. Soviel zum Thema "Das Kind reagiert nicht mehr auf Ansprache. Hat es vielleicht eine Wahrnehmungsstörung?"

Manchmal ist so ein Kind auch einfach nur müde oder krank.
Unsere Schulärztin ist auch prinzipiell gegen die frühe Einschulung, aber sie ist auch vom alten Schlag und leidet noch unter der alten Vorurteileritis. Sie soll sich mal überlegen, dass ihr Arbeitgeber das Land Niedersachsen diese Regelung nicht ohne Grund eingeführt hat. Es ist aber nicht meine Aufgabe, ihr das Gesetz zu erklären.